Ricardo Espírito Santo ist nur dem Namen nach heilig

Kopf des Tages13. Juli 2014, 18:31
posten

Es ist schwer, der "letzte Bankier" zu sein

Lange kursierte in Portugal der Spruch: "Geht es Banco Espírito Santo gut, geht es auch Portugal gut." Doch was, wenn es der Bank schlecht geht? Fast hätte das Straucheln des größten börsennotierten Geldhauses die nach der Finanzkrise wieder mühsam erreichte Finanzstabilität des Landes ins Wanken gebracht. Buchführungstricks und Intransparenz bei den familiären Besitzverhältnissen haben das Image der Traditionsbank erheblich geschädigt.

Auch wenn Ricardo Espírito Santo Silva Salgado, einer der Urenkel des Gründers und Namensgebers der Bank, Ende Juni auf Druck der Nationalbank nach 22 Jahren den Chefsessel räumen musste - aus dem zum Teil offen ausgetragenen Machtkampf innerhalb der verschiedenen Familienzweige ist er zumindest klar als Sieger hervorgegangen.

An Selbstbewusstsein fehlt es dem studierten Wirtschaftswissenschafter nicht. Der letzte Bankier (O último banqueiro) lautet der Titel seiner Biografie aus der Feder zweier Journalistinnen der Wirtschaftszeitung Jornal de Negócios. Dabei aalt sich der als schweigsam bekannte 70-Jährige weniger im Licht großer Empfänge. Auch Jagd und Golf interessieren den stets elegant auftretenden Bankier nicht sonderlich. Ricardo Salgado genießt es mehr, sich ins luxuriöse Refugium der Espírito Santos bei Bahia in Brasilien zurückzuziehen.

Dass das Unternehmen in Portugals Wirtschaft bis heute eine wichtige Rolle spielt - die Bank ist nicht nur im Geldgeschäft, sondern auch in der Versicherungs- und Touristikbranche aktiv -, verdankt sie unter anderem der Fähigkeit der Anpassung an fast jede Regierung seit ihrer Gründung 1869. Einzig nach der Nelkenrevolution von 1974 verlor der Clan vorübergehend die Kontrolle.

Doch Berichte über "Unregelmäßigkeiten" in den Büchern, fragwürdige Praktiken beim Verkauf von Schuldtiteln ließen die Bank in jüngerer Vergangenheit in weniger hellem Licht erscheinen. Binnen eines Monats büßte sie die Hälfte ihres Wertes ein. Die Aufsichtsbehörden wollen nun in dem Firmengeflecht aufräumen.

Heilig ist Banco Espírito Santo nur dem (Familien-)Namen nach. Doch zumindest Ricardo Salgado übt sich in Verzicht: Er trinke keinen Alkohol und rauche nicht einmal eine Havanna, ja, er habe überhaupt keine Laster, meint ein Ex-Studienkollege über ihn. Diskretion gehört eben nun einmal zum Bankgeschäft dazu. Auch in Portugal. (Jan Marot, DER STANDARD, 14.7.2014)

  • Ricardo Salgado genießt es mehr, sich ins luxuriöse Refugium der Espírito Santos bei Bahia zurückzuziehen.
    foto: reuters/jose manuel ribeiro

    Ricardo Salgado genießt es mehr, sich ins luxuriöse Refugium der Espírito Santos bei Bahia zurückzuziehen.

Share if you care.