Nur 53 Prozent wissen, wie sich die Regierung zusammensetzt

13. Juli 2014, 17:51
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Die jüngste Umfrage des Linzer Market-Instituts zeigt: Nur etwa die Hälfte der Österreicher weiß, von wem sie regiert wird - ein Fünftel glaubt, es gäbe eine Allparteienregierung

Linz - Jeder zweite Wahlberechtigte glaubt, dass die FPÖ in der österreichischen Bundesregierung vertreten wäre. Etwa gleich viele nehmen dies von den Grünen an. Und 19 Prozent glauben gar, dass Österreich eine Konzentrationsregierung aus allen im Parlament vertretenen Parteien hätte.

Das geht aus einer in der Vorwoche durchgeführten Umfrage des Linzer Market-Instituts für den STANDARD hervor. Dabei wurde den 403 Befragten über 16 (das ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung) jede Parlamentspartei genannt und gefragt, ob diese Partei in dem seit rund sieben Monaten regierenden Kabinett auf Bundesebene vertreten ist.

Jeweils 94 Prozent sagten korrekt, dass die SPÖ und die ÖVP in dieser Regierung vertreten sind - aber nur 53 Prozent nannten keine weitere Partei.

Klare Fragestellung ...

David Pfarrhofer, der die Studie leitete, ist vom politischen Unwissen der Österreicher überrascht: "Obwohl wir in der Fragestellung zweimal ganz deutlich darauf hingewiesen haben, dass es um die Parteien in der Bundesregierung geht, haben die Befragten in hohem Maß falsch geantwortet. Das kann damit zusammenhängen, dass Bundes- und Landesregierungen verwechselt werden - noch eher aber ist zu vermuten, dass viele Befragte meinen, dass eine Partei, die im Parlament ist, irgendwie auch zur Regierung dazugehört. Sonst würden wohl nicht so viele Leute die FPÖ, die doch eine eindeutige Oppositionspolitik macht, der Bundesregierung zuordnen."

Sein Befund lautet, dass die politische Bildung, aber auch die Vermittlung der Rollen von Regierung und Opposition in den Medien eine große Anzahl von Wahlberechtigten überhaupt nicht erreichen.

Sieht man sich die Antworten im Detail an, dann stellt man fest, dass es vor allem Frauen sind, die auch die Oppositionsparteien als Teil der Bundesregierung wahrnehmen. Sehr viele falsche Zuordnungen kommen auch von älteren Befragten, nur bei der FPÖ sind auch viele junge Befragte fälschlich der Meinung, dass sie im Bund mitregiert. Der formale Bildungsabschluss hat dagegen nur bedingt Einfluss auf das Wissen um die Regierung: Auch von Maturanten und Akademikern kommen in einem für die Meinungsforscher überraschend hohen Ausmaß falsche Antworten.

... und klarer Wahlsieger

Und so würde eine Wahl ausgehen, wenn von dieser politisch halb informierten Wählerschaft jetzt gewählt würde:

  • Klare Wahlsiegerin wäre die FPÖ: In der Market-Hochrechnung kommt sie (wie derzeit bei allen anderen Umfrageinstituten) auf 27 Prozent - ein seit März konstanter Wert. Auffallend ist allerdings, dass Parteichef Heinz-Christian Strache, obwohl in den Medien derzeit nicht besonders präsent, in der (hypothetischen) Kanzlerfrage mit 20 Prozent den höchsten Wert seit einem Dreivierteljahr erzielt und gleichauf mit dem Amtsinhaber liegt.
  • Während die Freiheitlichen fast sieben Prozentpunkte mehr als bei der Wahl im September bekämen, müsste sich die SPÖ auf rund fünf Prozentpunkte Verlust einstellen - sie liegt seit Monaten bei 22 Prozent. Kanzler Werner Faymann würde nur jeder Fünfte ins Amt wählen.
  • Sechs Prozentpunkte Verlust drohen der ÖVP: 18 Prozent in der Hochrechnung sind das schlechteste Ergebnis seit Jahren. Vizekanzler Michael Spindelegger sehen nur neun Prozent als wünschenswerten Kanzler.
  • Konstant in der Umfrage (und zweieinhalb Punkte über dem Wahlergebnis) liegen die Grünen bei 15 Prozent. Parteichefin Eva Glawischnig hatte in der Kanzlerfrage aber schon bessere Werte als die aktuellen 13 Prozent.
  • Elf Prozent ergibt die Hochrechnung für die Neos, Frontmann Matthias Strolz wünschen sich zehn Prozent als Kanzler.
  • Kathrin Nachbaur erreicht in der Kanzlerfrage ein Prozent, ihr Team Stronach in der Hochrechnung zwei.
  • Ein weiteres Prozent ergibt die Hochrechnung für das BZÖ.
  • Für weitere Splitterparteien wären etwa vier Prozent zu erwarten. 
    (Conrad Seidl, DER STANDARD, 14.7.2014)
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