Ex-Hypo-Chefs wollten einander ausbremsen

13. Juli 2014, 17:07
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Bei den Projekten in Kroatien, an denen sich Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger bereichert haben sollen, gerieten sich die Ex-Banker in die Haare 

Wien - Die Hypo Alpe Adria hatte offenbar sehr viele Böden, unter denen sich absonderliche Geschäfte und noch absonderlichere Vorfälle ereigneten. Das gilt auch für jene Kredite an die kroatischen Gesellschaften AB Maris und Darija, an denen laut Soko Hypo die Ex-Bankchefs Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger beteiligt gewesen sein sollen. Beide bestreiten dies wie berichtet.

Rund um AB Maris und Darija, die Tourismusprojekte in Istrien umsetzen sollten (wozu es nie kam), gab es ein dichtes Geflecht aus Gesellschaften, Stiftungen, Anstalten, involviert waren Stroh- und Hintermänner. Vladimir Zagorec, der kroatische Ex-General und Hypo-Großkunde, spielte eine zentrale Rolle. Er war in Kroatien wegen Amtsmissbrauchs in Haft und ist auch in dieser Hypo-Causa Beschuldigter. Für alle gilt die Unschuldsvermutung. In der Causa AB Maris wollten die genannten Hypo-Chefs einander allerdings aushebeln, das erhellt der jüngste Soko-Bericht.

"Überhöhte Kreditanträge"

Wie Zagorec 2004 überhaupt Kunde der Hypo in Liechtenstein wurde, hielt der dortige Banker M. fest. Striedinger habe von Zagorecs Beziehungen "geschwärmt", er verdiene an Provisionen für Immo-Projekte. Auf M.s Hinweis, Zagorec gedenke, fünf bis zehn Millionen Euro bar einzuzahlen ohne Unterlagen für die Mittelherkunft, habe Striedinger das "als normal bezeichnet". Drei Jahre später waren 15 Millionen Euro in bar auf Zagorecs Konten eingezahlt und fünf Millionen bar abgehoben worden.

Um diese "Transaktionen erschöpfend zu plausibilisieren", traf M. den Ex-General 2007 in Wien. Laut dessen Erklärung stammte das Geld aus den "der Bank bekannten Projekten". Er, Zagorec, habe "natürlich überhöhte Kreditanträge gestellt und die überschüssigen Gelder dann in bar abgeschöpft und auf seine Gesellschaften parkiert", dort lägen sie noch immer. Dies sei der Bank bekannt, heißt es in M.s Aktennotiz. Und: "Die Verkäufer der Projekte ... haben Hr. Zagorec nochmals einen Kickback dafür gegeben, nachdem die ... Kreditmittel geflossen sind."

Diskret in die Schweiz

Wie das im Falle von AB Maris, Darija und deren erster Eigentümerin IEK (sie soll Striedinger, Kulterer und Hypo-Berater Milan N. gehört haben) lief, hat die Soko Hypo penibel recherchiert. 2003 und 2004 wurden zwischen IEK und AB Maris bzw. Darija zwei Schweizer Gesellschaften geschoben: Noxas und Mikos. Steuerberater Hermann G. (wie Kulterer und Striedinger in Haft) in einem Brief: "Durch die Errichtung dieser Struktur sind wir bemüht, möglichst wenig Gelegenheit für ... Indiskretionen zu schaffen."

2004 landeten die Noxas- und Mikos-Aktien über ein kompliziertes Gesellschaftsgeflecht in Zagorec zuzurechnenden liechtensteinischen Vehikeln.

Glaubt man Zagorec, hat er von dem Kauf aber gar nichts gewusst. Er sagte vorigen Herbst aus, wie er an Noxas und Mikos gekommen sei: Anfang 2005 hätten ihn Striedinger, Steuerberater Hermann G. und Banker S. in Anwesenheit des Anwalts Gerold H. um einen "Privatkredit" von fünf Millionen Euro gebeten. Er habe den "aus moralischen Gründen" gewährt. Als Sicherheit hätten sie ihm die Noxas- und Mikos-Aktien verpfändet.

Kredit aus der Tasche

Die fünf Millionen Euro seien "auf Drängen Striedingers" rasch geflossen. Zagorec ging laut Beschuldigteneinvernahme zur Filiale in Liechtenstein, wo das Geld schon "in transparenter PVC-Folie verschweißt" bereitgelegen sei. Von einem der Banker habe er sich "eine braune Tasche" geliehen, das Geld hineingetan und dem wartenden Hermann G. überreicht.

Im Hintergrund gab es offenbar massiven Streit zwischen Kulterer und Striedinger. Jedenfalls: Im Frühling 2007 wollten sich Kulterer und Milan N. laut Zagorec das Aktienpaket schnappen. Bei einem Treffen in Wien hätten sie ihm "zehn bis 15 Millionen Euro" für sein Pfandrecht geboten; im Jahr darauf hätten sie es erneut probiert. Die zwei hätten ihm erklärt, sie seien von Striedinger und Co "hinsichtlich des Aktienpakets betrogen worden". Er, Zagorec, habe abgelehnt; der Kredit, so Zagorec in Berufung auf Anwalt Gerold H., sei zurückgezahlt worden.

Offiziell sollte das alles nicht werden, wie auch Zagorecs Wiener Anwältin als Zeugin ausgesagt hat. Ihr habe Gerold H. 2013 gesagt, "laut offizieller Version hat Zagorec für diese fünf Millionen Euro Lobbying-Tätigkeiten ... für AB Maris und Darija getätigt". Die Unterlagen für den "tatsächlichen Ablauf" seien vernichtet worden.

"Kohle da"

All das lief backstage, während die Hypo AB Maris und Darija finanzierte und Beteiligungen einging. 2010 kaufte eine Kermas Ltd. die Gesellschaften und zahlte am 30. Juni die Kredite an die Hypo zurück. Selben Tags telefonierten Striedinger und Anwalt Gerhard K. (in Haft) miteinander, sie wurden abgehört. K.: "Kohle da." Striedinger: "Super, super, super. What a message!" K.: "Hahahahahahaha." Striedinger: "Bravo." (Renate Graber, DER STANDARD, 14.7.2014)

  • Der kroatische Exgeneral will fünf Millionen in der Tasche übergeben haben.
    foto: ap/zak

    Der kroatische Exgeneral will fünf Millionen in der Tasche übergeben haben.

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