Decken aus Wien für Vertriebene 

14. Juli 2014, 05:29
18 Postings

Der Ukrainer Igor Hnat organisiert Unterkünfte auf eigene Faust

Wien - Igor Hnat wirkt wie ein Bär, der lange gekämpft hat. Zwölf Stunden ist der bullige Mann mit seinem Transporter aus der Westukraine nach Wien gefahren, zwölf Stunden sind es gleich nach seiner Ankunft wieder zurück. Geschlafen hat er dazwischen kaum, sowie vermutlich auch in den vergangenen Tagen nicht. "Jetzt ist jetzt keine Zeit zum Ausruhen", brummt er.

Seit den 90er-Jahren betreibt der Ukrainer das Regional Centre of Social Adaptation (RCSA), ein Resozialisierungsprojekt für Ex-Häftlinge, auf seinem Bauernhof in Brody. Seit Juli liegt der Fokus auf der Betreuung von Flüchtlingen aus der Krim und der Ostukraine.

Kein Geld mehr für Versorgung

Die Caritas Österreich hat Bettwäsche, Matratzen, Decken und Möbel organisiert, die er nach Brody bringt. "Die Situation ist jetzt schlimmer, die Stadt hat überhaupt kein Geld mehr", sagt Hnat bei seinem kurzen Aufenthalt in Wien.

Rund 30 Menschen können in seinem Wohnheim unterkommen, vor allem Frauen, Kinder und alte Leute wolle er aufnehmen. "Die Männer sollen zurück und kämpfen", meint er. Auch sein eigener Sohn, 22 Jahre alt, "muss und möchte" zum Militär. "Ich bin alt, aber ich denke, unsere Zeit kommt auch noch", sagt er seufzend.

Wenig Hoffnung auf baldige Rückkehr

Neben einigen Ex-Häftlingen, die weiterhin an dem Resozialisierungsprojekt teilnehmen, arbeiten zwei Sozialarbeiterinnen, ein Pädagoge, ein Jurist und ein Psychologe im Haus.  Hnat geht davon aus, dass die wenigsten Flüchtlinge bald nach Hause zurückkehren können. "Wir müssen Arbeitsplätze, Schulen und Wohnungen für sie aufbauen." (juh, DER STANDARD, 14. 7.2014)

  • Igor Hnat nimmt Flüchtlinge in seinem Wohnheim auf. "Die Stadt hat kein Geld mehr."
    foto: herrnböck

    Igor Hnat nimmt Flüchtlinge in seinem Wohnheim auf. "Die Stadt hat kein Geld mehr."

Share if you care.