Vatikan-Sprecher dementiert Papst-Zitate zu pädophilen Kardinälen 

13. Juli 2014, 13:24
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"Einzelne Formulierungen können nicht Franziskus zugeschrieben werden" 

Vatikanstadt - Der vatikanische Pressesprecher, Pater Federico Lombardi, hat am Sonntag einige von der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" veröffentlichte Aussagen des Papstes in Zusammenhang mit Kindesmissbrauch durch Geistliche dementiert. Der Papst habe nicht behauptet, dass es pädophile Kardinäle gebe, sagte Lombardi.

Bei dem Gespräch zwischen Franziskus und dem "La Repubblica"-Gründer Eugenio Scalfari habe der Journalist nicht die genauen Worte des Papstes wiedergegeben. Lombardi wies darauf hin, dass es sich nicht um wörtliche und autorisierte Aussagen des Heiligen Vaters handelte, sondern um einen journalistischen Beitrag über den Papst aufgrund einer Begegnung.

Scalfari habe kein Interview mit dem Papst, sondern ein persönliches Gespräch geführt. "Der Artikel widerspiegelt zwar den Sinn des Gesprächs zwischen dem Heiligen Vater und Scalfari, doch einzelne Formulierungen können nicht mit Sicherheit dem Papst zugeschrieben werden", so Lombardi.

Das Interview des 90-jährigen Starjournalisten mit Papst Franziskus entstand wie bereits zwei andere in den vergangenen Monaten offenbar ohne Aufzeichnungen. Wie Scalfari auf Nachfrage nach den ersten beiden Interviews mit dem Papst erklärt hatte, habe er weder auf eine Tonaufzeichnung noch auf schriftliche Notizen zurückgegriffen.

"Kindesmissbrauch ist wie Lepra"

Der Papst habe in dem Interview Kindesmissbrauch als "Lepra" bezeichnet, die auch die Kirche anstecke, hieß es. Kindesmissbrauch sei eines der schrecklichsten Verbrechen, das man sich nur vor stellen könne, vor allem weil es oft in der Familie oder in einer Gemeinschaft vorkomme.

Der Papst gab zu, dass Kindesmissbrauch auch die Kirche belaste. "Wir auch haben diese Lepra zu Hause. Mitarbeiter, die mit mir gegen Kindesmissbrauch kämpfen, versichern aufgrund zuverlässiger Daten, dass Pädophilie in der Kirche zwei Prozent betrifft. Diese Zahl sollte mich beruhigen, doch ich muss offen sagen, dass sie mich überhaupt nicht beruhigt. Ich halte das für äußerst gravierend. Zwei Prozent von Pädophilen, das sind Priester und sogar Bischöfe und Kardinäle", soll der Papst laut Eugenio Scalfari gesagt haben.

"Viele wissen, aber schweigen"

Franziskus monierte, dass in der Kirche über Kindesmissbrauch zu oft geschwiegen werde. "Viele wissen, aber schweigen, bestrafen, ohne den Grund bekannt zu geben. Das finde ich, ist unerträglich, und es ist meine Absicht, all dies mit der notwendigen Strenge in Angriff zu nehmen", betonte der Papst.

Papst Franziskus hatte am vergangenen Montag drei Stunden mit sechs Opfern von sexuellem Missbrauch durch Kleriker verbracht und ihnen zugehört. Sechs Personen, je zwei aus Deutschland, Irland und England, waren von Kardinal Sean O 'Malley, dem Erzbischof von Boston, zu dem Treffen eingeladen worden. Franziskus sprach mit jedem der Opfer rund eine halbe Stunde.

Zur Gruppe gehörte auch die Irin Marie Collins, Mitglied einer Kommission zum Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche, die der Papst im März eingesetzt hatte. Die aus Dublin stammende Collins war in den 60er-Jahren von einem katholischen Priester sexuell missbraucht worden und engagiert sich seit längerem für einen besseren Schutz von Kindern in Einrichtungen der katholischen Kirche. (APA/red, derStandard.at, 13.07.2014)

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