Zuerst der Maschinist, dann Messi 

12. Juli 2014, 13:05
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Javier Mascherano arbeitet im Maschinenraum Argentiniens. Er ist Hirn, aber auch Herz der Albiceleste. Und so viel wie er zentral wegputzt, kann Messi vorne gar nicht verhauen

Rio de Janeiro - Als es gegen die zähen Niederländer richtig eng herging im WM-Halbfinale, konnte sich Argentinien wieder einmal auf seinen Leader vom FC Barcelona verlassen. Doch es war nicht Lionel Messi, es war Javier Mascherano, der die Albiceleste ins Endspiel am Sonntag führte. Was soll man sagen? Vielleicht nur: Der Mann hielt den Laden zusammen. Er rettete höchstpersönlich in höchster Not wie gegen Arjen Robben. Er pushte Torhüter Sergio Romero vor dem Elfmeterschießen. Jetzt, sagt er, sei er bereit für "das Spiel unseres Lebens" gegen Deutschland.

Als Maradona die Albiceleste im Herbst 2008 als Trainer übernahm, sagte er, er wolle "Mascherano und zehn andere" spielen lassen. Dabei war Messi damals schon Olympia- und Champions-League-Sieger. "Als ich das damals gesagt habe, haben alle gelacht", sagt Maradona nun vor dem Endspiel: "Jetzt lacht keiner mehr." "El Jefecito", der kleine Chef, wiegt gerade mal 66 kg, ist das Fliegengewicht im Team. Dennoch: "Ein römischer Gladiator sieht neben ihm aus wie ein Teletubbie", war über "Masch" schon zu lesen.

Man kann sich diese argentinische Mannschaft wie einen einzelnen Organismus vorstellen, in dem jeder Spieler seine Aufgabe hat. Messi ist wie einst Diego Maradona die Hand (Gottes), die all die Vorarbeit der anderen Organe dieses maschinenhaften Körpers veredelt. Torhüter Sergio Romero ist die Hand, die eingreift, wenn alle anderen Organe versagt haben. Die Verteidiger um den ehemaligen Bayern-Legionär Martin Demichelis sind die Beine, auf denen das gesamte Gebilde steht. Mascherano aber ist nicht weniger als Hirn und Herz dieses Lebewesens.

Nur sieben Fouls, keine Gelbe

Obwohl er als einer von vier Argentiniern in jeder der 600 WM-Minuten auf dem Platz stand, kam er mit nur sieben Fouls und ohne Gelbe Karte aus. Und das, obwohl er im Maschinenraum des Spiels oft dort auftaucht, wo es wirklich brenzlig wird.

Und auf einer Position, die er im Verein seit vier Jahren nicht mehr spielt. Trainer Pep Guardiola funktionierte Mascherano bei Barça 2010 zum Innenverteidiger um. Das war keinesfalls Ausdruck mangelnder Wertschätzung. "Ich würde ihn gegen keinen Spieler der Welt eintauschen wollen", sagte Guardiola 2012, als er die Katalanen verließ. Die Achtung für den Argentinier ist geblieben: Barcelona hat Mascheranos Vertrag kürzlich bis 2018 verlängert.

Die WM ist jetzt quasi sein Arbeitszeugnis. Der 30-Jährige passt sich fast die Füße wund. Von seinen 552 Zuspielen kamen 478 an, seine Quote von 86,59 Prozent ist sogar minimal besser als die des immer braven, immer soliden Philipp Lahm. Als Abräumer vor der Abwehr war Mascherano Garant dafür, dass Argentinien in 330 Spielminuten der K.o.-Runde noch kein Gegentor hat hinnehmen müssen. Die Kapitänsbinde musste er 2011 an Messi abtreten, doch er blieb der Anführer. Zu sehen etwa vor dem Shootout gegen Oranje, als er Keeper Romero zurief: "Heute wirst du die Welt fressen! Heute wirst du zum Helden!"

Wiederholung am Sonntag? "Wir haben so lange gelitten", sagt Mascherano vor dem ersten WM-Finale Argentiniens seit 24 Jahren, "aber jetzt sind wir, wo wir sein wollten." (sid/red, 12.7.2014)

  • Javier Mascherano wandelt auf göttlichen Pfaden.
    foto: ap/mazalan

    Javier Mascherano wandelt auf göttlichen Pfaden.

  • Nichts wird mehr so sein wie es einmal war: Arjen Robben hatte es auf dem Fuß für seine Niederländer und dank Mascherano auch irgendwie wieder nicht.
    foto: ap/benzsch

    Nichts wird mehr so sein wie es einmal war: Arjen Robben hatte es auf dem Fuß für seine Niederländer und dank Mascherano auch irgendwie wieder nicht.

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