Ein bosnischer Traum

12. Juli 2014, 17:00
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Wir Österreicher und wir Bosnier haben nicht nur eine gemeinsame Geschichte, sondern darüber hinaus auch noch jede Menge gemeinsamer Wörter

Der Typ fuhr mit Karacho rikverc in die Einfahrt, wo ich einen Platz zum parkirati gefunden hatte. Er stieß gegen meinen Wagen. Etwas klapperte. "Fahr zurück! Curikaj!", schrie der Typ mir aus dem Fenster heraus zu. "Ich bin doch kein Pferd, dass du mir solche Befehle gibst!", schimpfte ich. "Überhaupt bist du in mich hineingefahren!"

Als ich ausstieg, sah ich, dass meine ratkapa heruntergefallen war. "Fahr hier raus, sonst kann ich nicht weg", sagte ich zu dem Typen. "Und vorher montierst du mir noch die ratkapa!" "Wenn ich dein Auto repariere, wird es in neuem glanc erstrahlen!", versprach er mir vollmundig. "Gib mir einen cener, dann reparier ich dir auch noch den auspuh, der hängt nämlich ein wenig herunter, und ich schaue mir auch an, ob alles mit deinem anlaser in Ordnung ist", meinte er und behauptete, er sei Mechaniker. "Majstor, mach mal die ratkapa!", sagte ich.

Er kramte in seiner aktentasna, holte einen sarafciger heraus und legte sich trotzdem unter das Auto. "Die bremza ist auch nicht mehr die neueste", hörte ich ihn sagen. "Bitte gib mir ein fajercajg, ich sehe hier herunten nichts!" "Mach die ratkapa!", wurde ich ungeduldig.

Er kroch wieder heraus. "Vielleicht kann ich die snala von der gurtna verwenden und damit die ratkapa festdrehen", sagte er und riss an dem Sicherheitsgurt meines Fahrersitzes. Er lehnte sich dabei auf den Kühler und zerkratzte so nebenbei mit dem rajfeslus seiner Jacke meine sofers ajba. Schließlich zog er so fest, dass der Gurt riss.

"Wie viel auch immer das kostati wird, das wirst du bezahlen!", wurde ich zornig. Der Typ holte eine heftarica aus seiner Tasche und versuchte, damit den remen wieder anzuheften. "Was machst du da?", fragte ich. "Ist es besser mit einer zihernadla?", fragte er. "Mir ist alles egal, fahr einfach weg hier. Ich muss los." Der Typ stieg in sein Auto, doch sein Wagen ließ sich nicht mehr starten. Offensichtlich war seine Batterie leer.

Kuglof oder etwas aus germa?

"Du bist ein hohstapler!", schrie ich ihn an. "Das Einzige, was du tust, ist fuseriti. Und wenn du nur den Mund aufmachst, lügst du schon. Wahrscheinlich bist du ein snajder, ein moler, ein suster oder ein kelner! Aber kein mehanicar!", brüllte ich weiter. "Ein sarmer bin ich ...", sagte er ruhig, lächelte und nahm mich unter dem Arm. "Komm, gehen wir was essen!"

"Du hast wahrscheinlich nicht einmal das Geld die ceh zu zahlen!", versuchte ich mich zu wehren. Aber ich hatte Hunger und Durst. "Was magst du? Was Süßes? Einen kuglof oder friska kifla, eine snita, strudla oder etwas aus germa?", sagte er als wir in dem Gasthaus gegenüber saßen. Er war plötzlich höflich und hängte meinen Mantel am ofinger auf. Er bestellte zwei snicla, obwohl ich eigentlich lieber virsla, ein fas irano Fleisch gehabt hätte oder wenigstens flekice mit Kraut. "Magst du knedla oder als cuspajz lieber paradajz?", fragte. "Ich will mit meinem Auto wegfahren können", knurrte ich.

Alles voller puter

Er versuchte mich in den Arm zu nehmen, ich beschmierte gerade ein Semmerl, und als er mich berührte, fiel mir die kajzerica aus der Hand und auf die Jeans, und alles war voller puter. Er selbst stieß aus Schreck mit seinem escajg eine flasa Bier um, und das Bier lief über mein T-Shirt.

Er lachte und sagte einfach: "Ich habe einen fen zu Hause. Wenn du mitkommst, kann ich alles trocknen! Ich habe auch einen slafrok, den ich dir daweil leihen kann!". "Ich will aus diesem Parkplatz heraus, ich muss los. Ich muss arbeiten", sagte ich genervt.

"Sei nicht so eine streberin! Komm, wir geben bei mir zu Hause die schmutzige ves einfach in die vesmasina und holen dann den sleper, der soll mit einem strik mein Auto abtransportieren, dann kannst du weiterfahren. Und derweil wir warten, machen wir es uns auf meinem plis -Sofa gemütlich. Und dann essen wir Erdbeeren mit slag. Ich habe sogar ein Bügeleisen und kann dir deine ves gletati. Ich wohne gleich da drüben. Komm, gehen wir! Mrs!", forderte er mich auf.

Ich befürchtete, einen kurslus in meinem Kopf zu haben, und hatte die Fantasie, ihm mit einem klofac, mit dem man sonst einen tepih klofati kann, eine überzuziehen. Aber dann fiel mir ein, dass sich die Szene als forspan für einen Film nicht schlecht eignen würde, und ich beschloss, weiter zu recherchieren und mir seine WG anzuschauen, wo er mit einem anderen cimer und einer cimerka zusammenwohnte.

Die Küche war ganz gemütlich, hinter dem sporet, auf dem zwei große Töpfe standen, war ein großer goldener spiglo angebracht. An der Wand hing ein Bild aus stof.

"Was hast du eigentlich vorhin erledigen wollen?", fragte ich ihn. "Ich habe einen plac gekauft und wollte gerade zur Stadtverwaltung, um den plac in den grunt einzutragen", erklärte er. Er drehte die Musik lauter. Es war ein kiciger slager. Dann wollte er die roletne zuziehen und dimmte das Licht. "Wir sind ja nicht in einem Bordell", protestierte ich.

Das kränkte ihn. "Ich bin der schönste frajer der Stadt. Ich hab es nicht notwendig, in die kupleraj zu gehen, wo die Mädchen um die stanga tanzen und hohe stikla tragen", sagte er beleidigt. "Und ich habe es nicht notwendig, mit einem Typen zu reden, der nicht mal Auto fahren kann und mir mein Auto ruiniert", sagte ich.

"Okay, dann geh doch! Du kannst ja zum frizer ums Eck und dir dort auf meine Kosten die Haare blajhati! Ich kaufe dir auch neue sminka! Du frajla, du!", beschimpfte er mich. Die stimung wurde immer schlechter. Der sleper kam und kam nicht. Der tip trank ein gemist. Und noch ein gemist. Und dann noch ein gemist, so lange, bis er so betrunken war, dass er nicht einmal mehr sein eigenes haustor gefunden hätte, wenn er nicht schon zu Hause gewesen wäre. Und dann begann er auch noch zu prahlen. Er nannte sich selbst wichtigtuerisch einen haustorcad, weil er in einem Mietshaus wohnte.

Schuhe in den ruksak

Ich wollte in meine mahala zurück, auch ohne mein Auto. Ich ging hinaus, holte meine rosule aus dem gepek, zog sie an und gab meine Schuhe in den ruksak. "Du kannst jetzt nicht abhauen!", sagte er. "Dein Auto mit meinem Auto zu potrefiti, das war Schicksal. Und schau, es ist doch auch ein Zeichen, dass wir so viele Wörter gemeinsam haben. So viele Wörter!" "Wörter! Das sind ja nur Wörter!", krächzte ich und hörte, wie ich versuchte, mit meiner Stimme diesen bösen Traum zu verlassen. Als ich mich im Bett aufsetzte, drehte sich mein Kopf wie in einem ringispil.

"Und vorher montierst du mir noch die ratkapa!', sagte ich zu dem Typen. ,Wenn ich dein Auto repariere, wird es in neuem glanc erstrahlen', versprach er mir vollmundig. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 12.7.2014)

  • "Und schau, es ist doch auch ein Zeichen, dass wir so viele Wörter gemeinsam haben. So viele Wörter!" Das Foto oben zeigt einen auspuh.
    apa

    "Und schau, es ist doch auch ein Zeichen, dass wir so viele Wörter gemeinsam haben. So viele Wörter!" Das Foto oben zeigt einen auspuh.

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