Frauen für die EU-Kommission: Starkes Zeichen

Kommentar11. Juli 2014, 19:19
18 Postings

Juncker muss sich nun als starker und zeitgemäßer Kommissionschef beweisen

Es ist so einfach: "Zähl meine Finger", regt EU-Kommissarin Neelie Kroes auf jenem Foto an, das sie in die Weltöffentlichkeit gezwitschert hat. Kroes, und mit ihr alle übrigen acht noch amtierenden EU-Kommissarinnen, wollen erreichen, dass die neue europäische "Regierung" unter Jean-Claude Juncker zumindest zehn weibliche Mitglieder hat. Bei insgesamt 28 Kommissaren kein unbilliges Anliegen und ein starkes Zeichen der scheidenden Kommissarinnen, die immerhin eine 40-Prozent-Frauenquote bis 2020 für Europas rund 5000 börsennotierte Unternehmen durchsetzten. Das Echo auf Kroes' Aktion war groß. In Junckers Sinne muss sie auch sein: Sprach er doch im Wahlkampf und auch danach von einer "40-Prozent-Quote" - das wären sogar zwölf Kommissarinnen.

Allein - die politische Realität ist eine andere. Gerade einmal drei Frauen haben die nationalen Regierungen für die Top-Jobs in Brüssel nominiert. Das zeigt, wie gestrig die Nationalstaaten (auch) in dieser Frage agieren: Wenn es um das Verteilen von Posten und Pöstchen geht, ist den Herren das männliche Hemd näher als der weibliche Rock.

Juncker hat nun Gelegenheit zu zeigen, wie ernst es ihm damit ist, ein starker und zeitgemäßer Kommissionschef zu sein. Er muss auf qualifiziertem weiblichem Personal bestehen - und er sollte sich keinesfalls mit weniger als 40 Prozent zufriedengeben. Das EU-Parlament übrigens auch nicht. Und Europas Bürgerinnen schon gar nicht. (DER STANDARD, 12.7.2014)

Share if you care.