Bulgarischem Banker Wassilew droht Haft

11. Juli 2014, 23:24
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Insolvenzverfahren eingeleitet, Ermittlungen wegen Bargeldabhebungen

Sofia/Istanbul - Es war ein schwarzer Freitag für den lang einflussreichsten Investor im EU-Land Bulgarien: Tswetan Wassilew, Mehrheitsaktionär der Corporate Commercial Bank (KTB), Bulgariens viertgrößter Bank, verlor zuerst die Lizenz für sein Geldinstitut; anschließend erklärte die Staatsanwaltschaft in Sofia, sie werde Wassilews Rückkehr nach Bulgarien "gemäß internationaler gerichtlicher Zusammenarbeit" fordern. Eine Umschreibung für einen Interpol-Haftbefehl nach Lesart bulgarischer Medien. Wassilew dürfte sich immer noch in Wien aufhalten, wohin er Anfang Juni gereist war.

Wassilew wird vorgeworfen, am 19. Juni insgesamt umgerechnet mehr als 105 Millionen Euro in bar aus seiner Bank geschafft zu haben. Der Geschäftsmann war zu jener Zeit bereits in Wien und dementierte, dass er den Auszahlungsschein unterschrieben und die Summe erhalten habe. Die bulgarische Staatsanwaltschaft ließ jedenfalls am Freitag den Direktor der Bank, Orlin Rusew, und die Hauptkassiererin festnehmen.

Entspricht der Vorwurf den Tatsachen, hätte Wassilew selbst einen Teil des Ansturms auf seine Bank in der dritten Juniwoche zu verantworten, der die Liquidität der KTB erschöpfte und dazu führte, dass das Geldinstitut am 20. Juni unter den Schirm der bulgarischen Zentralbank flüchtete.

Zentralbank-Gouverneur Iwan Iskrow gab bekannt, dass umgerechnet 2,8 Mrd. Euro an Einlagen der KTB zur Tochterbank Credit Agricole Bulgaria wanderten; diese wird nun verstaatlicht. Als Grund für den Lizenzentzug bei der KTB und die Einleitung eines Insolvenzverfahrens nannte Iskrow unter anderem ein Loch von umgerechnet 1,75 Milliarden Euro, das Wirtschaftsprüfer nicht erklären konnten. Finanzminister Petar Tschobanow kündigte an, der Staat werde umgerechnet 770 Millionen bis eine Milliarde Euro zuschießen, um Ausfälle bei Anlegern zu verhindern.

Kritik an Zentralbankchef

Zweifel wurden in Sofia allerdings auch bzgl. der Verantwortung von Zentralbankchef Iskrow laut. Er ist seit 2003 in diesem Amt. Hinweise auf zweifelhaftes Finanzgebaren der KTB dürften ihm nicht entgangen sein, hieß es.

Auslöser der Bankenkrise war ein Streit zwischen Wassilew und seinem langjährigen Geschäftspartner Deljan Peewski. Der 34-jährige, umstrittene Parlamentarier, Ex-Staatsanwalt und Medienmogul soll offene Kredite in Höhe von insgesamt 130 Mio. Euro bei der KTB haben. Als Wassilew neue Kreditwünsche ablehnte, begannen seine Probleme.

Recherchen der Wochenzeitung Kapital zufolge zog Peewski seine Vermögenswerte aus der KTB ab, darunter die Anteile an Bulgartabak. Zur selben Zeit begann die Staatsanwaltschaft mit Untersuchungen der Bank, die unter anderem Mehrheitsaktionär des Mobilbetreibers Vivacom und der Petrol Holding ist. (Markus Bernath, DER STANDARD, 12.7.2014)

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