Von heiligen Geistern verlassen

11. Juli 2014, 17:47
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Portugal bemüht sich um Schadensbegrenzung. Die Furcht vor einem Bank-Run bei der Espirito Santo ist groß

Ob es beschwichtigenden Stimmen zum Trotz mehr als ein kurzes, heftiges Sommergewitter an den Märkten ist, wird sich erst zeigen: Portugals Banco Espírito Santo (BES; zu Deutsch der Heilige Geist) wankt und zieht dabei andere mit in den Abwärtssog.

Die Kurse der Madrider Bankenwerte (Liberbank, BES-Anteilseigner) sanken deutlich. Hatte doch die BES mit Fußballer Cristiano Ronaldo als Werbeikone beim Nachbarn zuletzt auf Wachstum gesetzt, neben Brasilien und Angola. Ein kräftiges Downgrade von Moody's um drei Stufen auf "hochriskant" (Caa2) folgte. Wegen großer Zweifel am Kapitalpolster der Muttergesellschaft Espírito Santo Financial Group (ESFG), sowie der Espírito Santo International (ESI). Weiters bekrittelte Moody's "mangelnde Transparenz" der ESFG - ein komplexes Netz an Dach- und Tochterfirmen, in Luxemburg und der Schweiz. Zwölf Aufsichtsräte der ESI legten kürzlich ihre Ämter nieder, just als die US-Finanzbehörde die Filiale in Miami unter die Lupe nahm.

Am Donnerstag stürzten BES-Titel am Lissabonner PSI-20 Index um 17 Prozent ab. Ihr Handel wurde ausgesetzt. Freitags ging es rund zwölf Prozent hinauf, ehe die Aktien neuerlich ins Rote kippten - eine Achterbahnfahrt.

Premier Pedro Passos Coelho will daher rasch beruhigen: "Sparer können voller Vertrauen in die BES sein." Die Nationalbank gab sich unisono. Das traditionsreiche Kreditinstitut, das bis zuletzt in der Hand der gleichnamigen Familie war, wäre "ausreichend kapitalisiert" und "absolut solvent".

Ende der Dynastie

Bankiers-Urgestein Ricardo Salgado legte bereits Ende Juni die BES-Direktion nieder. Im neuen Aufsichtsrat werden keine Mitglieder des Clans um Gründer José Maria do Espírito Santo Silva von anno 1869 mehr vertreten sein. Damit wurde das Ende einer Dynastie bei der BES eingeläutet. Ein Viertel der Aktien hält die Familie weiterhin.

Es liegt nun an Vitor Bento, ein erfahrener Ökonom, der Anfang Juli das Steuer übernahm, die marode taumelnde BES wieder zu stabilisieren. Schwer, aber kein Ding der Unmöglichkeit: Immerhin 20 Prozent Marktanteil hat die BES in Portugal bei einem Spitzenbörsenwert von fünf Milliarden Euro im Februar dieses Jahres noch. Die BES hält zudem 1,2 Mrd. Euro an Unternehmenskrediten der Mutter ESFG. Knapp ein Viertel der Konzernkredite in Portugal wurden von der BES vergeben. Zu den Großkunden zählen die Fluglinie TAP und Portugal Telecom. Doch an der Börse verloren BES, ESFG und PT 3,8 Mrd. Euro innerhalb eines Monats an Wert.

Groß war und ist der Einfluss des Espírito-Santo-Clans auf die Politik, auch während der Militärdiktatur (1933-1974) unter António de Oliveira Salazar, als die BES bereits zu ihrer fulminanten nationalen und internationalen Expansion ansetzte. Es war nicht das letzte Mal, dass die BES mit Diktatoren Synergien suchte: Die BES wurde auch wegen der geheimen Konten von Chiles Ex-Diktator Augusto Pinochet 2009 zu sieben Millionen US-Dollar Strafe verurteilt. Der Senat des Andenstaates veröffentlichte 2005, dass über die ESI-Florida 3,9 Mio. US-Dollar zwischen 1991 und 2000 transferiert wurden. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, 12.7.2014)

  • Die Krise der Bank hatte die Anleger in Europa und Asien verunsichert und die Kurse belastet.
    foto: reuters

    Die Krise der Bank hatte die Anleger in Europa und Asien verunsichert und die Kurse belastet.

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