Faironika, der Papst und die Oma

Kolumne11. Juli 2014, 18:13
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Viel zu wenig wird darauf gehört, was zwischen Himmel und Erde ist. Der Herrgott selbst, klar, auf den schon. Auf wen sonst wäre im Fußball Verlass? Höchstens noch auf den Gottseibeiuns, aber der hat im Halbfinale bei der Seleção sein Pulver schon verschossen. Was also sagen die spätestens seit Paul dem Kraken, seit der EM 2008 also, so unverzichtbaren Orakel? Sie sagen, sagt jetzt der Sport-Informations-Dienst sid: "Deutschland!" Das kann schon seine Gültigkeit haben. Selbst die Krone hat sich mehr oder weniger festgelegt. Ja, auch durch die dionysische Pythia aus der Muthgasse mit ihren oft wirklich delphischen Postskripta.

Viel entscheidender aber: "Poldi", die Riesenschildkröte aus Klagenfurt, hat bisher stets auf Deutschland und somit richtig getippt. Schildkröten haben einen Hang zur Unbestechlichkeit oder zumindest Sturheit. Das teilen sie mit den Elefanten und Elefantinnen. Nelly aus dem niedersächsischen Hodenhagen (Was für ein Name!) tippt ebenso auf Deutschland wie Pinguine aus Lübbenau, die Orakel-Kuh Faironika (Was für ein Name!) und die Ferkel von Bayern. Einzig die österreichische Sau Paulo (Was für ein Name!) wird nach Ansicht des obersten Orakels unrecht gehabt haben. "Der neue Weltmeister kann nur Deutschland heißen." Sagt Franz Beckenbauer.

Der argentinische Papst hat ihm, Urbi und Orbi auch ausrichten lassen, er halte sich da eher zurück. "Man hat mich gebeten, neutral zu bleiben." Der unschlüssige Autor hält es dagegen mit seiner Oma. Die hatte stets gemahnt: "'s muaß sein und net aa!" Eine Weisheit, die gerade im Fußball nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 12./13.07.2014)

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