Reynolds verhandelt mit Lorillard 

11. Juli 2014, 17:03
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In der Tabakbranche bahnt sich eine Mega-Fusion an. Die Nummer zwei in den USA prüft den Kauf der Nummer drei

New York/London - In der Tabakbranche bahnt sich eine Mega-Fusion an. Die Nummer 2 in den USA, der Camel- und Pall-Mall-Hersteller Reynolds, prüft den Kauf der Nummer 3, Lorillard. Die beiden Firmen seien in Verhandlungen, der Ausgang sei aber noch offen, teilte Reynolds am Freitag mit. Lorillard ist an der Börse 23 Mrd. Dollar (16,9 Mrd. Euro) wert. Die Firma produziert die in den USA führende e-Zigarette blu.

Eine Fusion würde die Konkurrenz für US-Marktführer Altria mit seinem Flaggschiff Marlboro deutlich erhöhen. Altria hat in den USA einen Marktanteil von rund 50 Prozent, Reynolds von 27 und Lorillard von 15 Prozent. Der US-Zigaretten-Markt ist immer noch der weltgrößte und profitabelste. Aber er schrumpft, weil immer mehr Menschen dort das Rauchen aufgeben.

Milliardengeschäft

Reynolds reagierte mit der Erklärung auf den britischen Gauloises- und Davidoff-Hersteller Imperial Tobacco, der zuvor mitgeteilt hatte, zur Stärkung seiner US-Position über Zukäufe zu verhandeln. Dabei könnte es um Marken wie Kool oder Salem gehen, die Reynolds und Lorillard losschlagen könnten, um von den Wettbewerbshütern grünes Licht für ihre Fusion zu bekommen. Einem Insider zufolge könnte Imperial bis zu sieben Milliarden Dollar für Zukäufe ausgeben.

Reuters hatte bereits im Mai berichtet, Reynolds und Lorillard seien seit Monaten in Fusionsgesprächen. Bestätigt wurden sie aber erst jetzt. Zu Lorillard gehören neben blu auch die in den USA führende Menthol-Zigarette Newport und die in Europa eher unbekannte Marke Kent.

Reynolds könnte der Analystin Bonnie Herzog von Wells Fargo zufolge einen Aufschlag von etwa 20 Prozent auf den Börsenkurs zahlen, was auf einen Preis von rund 27 Mrd. Dollar hinauslaufen würde. Reynolds gehört zu 42 Prozent der britischen Tabak-Größe British American Tobacco, der bereits ankündigte, einen Kauf von Lorillard durch Reynolds zu unterstützen.

Viele große Tabak-Konzerne stehen unter Druck, weil Behörden verstärkt gegen die Nikotinsucht vorgehen und Verbraucher gesundheitsbewusster werden. Zudem machen Zigarettenschmuggel und die allgemeine Wirtschaftslage den Unternehmen zu schaffen. Altrias US-Tochter Philip Morris hatte schon vor längerem erklärt, E-Zigaretten als wichtigsten Wachstumstreiber zu sehen.

Sie ähneln klassischen Glimmstängeln, es wird aber nichts verbrannt. Meist werden nikotinhaltige Flüssigkeiten verdampft. Experten zufolge entstehen aber auch dabei bedenkliche Substanzen, die Passivraucher über die Atemluft aufnehmen können. (APA/Reuters, 11.7.2014)

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