Klagenfurts Gefängnisleiter wehrt sich gegen Vorwürfe

11. Juli 2014, 15:18
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In anonymen Brief berichtete ein Häftling von einem Mordversuch und sexueller Belästigung - Gefängnisleiter Bevc: "Da ist nichts dahinter"

Klagenfurt - Der Leiter der Justizanstalt Klagenfurt wehrt sich gegen anonyme Vorwürfe gegen sein Gefängnis. In einem anonymen Brief an den ORF hat ein Häftling schwere Vorwürfe erhoben:  Es habe einen Mordversuch an einem Mithäftling gegeben; ein knapp 19-jähriger Insasse sei Opfer eines schweren sexuellen Übergriffs geworden - und ein weiterer Insasse betreibe, mit Wissen und Duldung durch die Justizwachebeamten, einen schwungvollen Schwarzhandel. "Ich bin überzeugt, dass da nichts dahinter ist, das ist wahrscheinlich irgendein Racheakt eines Gefangenen", sagt Gefängnisleiter Peter Bevc zu den Vorwürfen.

Er tue sich aber schwer mit der Aufklärung, er wisse nur über zwei der in dem Brief genannten Vorfälle Bescheid. Zum einen geht es um eine sexuelle Belästigung. Ein Gefangener soll einen 19-Jährigen unsittlich berührt haben, der Beschuldigte bestreitet das. Bevc: "Ich tue mir mit einer Stellungnahme schwer, weil es um Betroffene geht. Ich kann nicht Gefangene an den Pranger stellen." Die beiden wurden jedenfalls getrennt, der Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft.

"Kein Mord-, sondern Suizidversuch"

In dem Brief wird weiters behauptet, das es einen Mordversuch an einem 47-jährigen Häftling gegeben habe, der vertuscht worden sei. Laut Bevc handelte es sich um einen Suizidversuch, der Mann war allein in der Zelle, ein Mordversuch sei daher ausgeschlossen. Ein Mitgefangener habe ihn entdeckt und den selbstgebundenen Strick durchtrennt. Zwei Beamte leisteten gegen den Widerstand des 47-Jährigen Erste Hilfe. Zwei Wochen später habe sich der Mann bei seinem Zellengenossen für die Rettung bedankt.

"Glaube Vorwürfe nicht"

Die Namen der in dem Schreiben der Korruption beschuldigten Beamten will Bevc für sich behalten: "Ich habe sie an niemanden weitergegeben, das wäre eine Katastrophe. Da habe ich Sodom und Gomorrha in der Anstalt." Er selbst wolle die Vorwürfe nicht untersuchen. "So etwas kann nur von neutraler Seite objektiv bearbeitet werden. Ich greife das nicht an und ich glaube es auch nicht."

Probleme gibt es nach den Angaben des Anstaltsleiters in anderen Bereichen. Etwa 40 Prozent der Häftlinge arbeitslos. Die gesetzlich vorgesehene Einzelunterbringung in der Nacht sei nicht möglich. Arge Probleme mit Gewalt in der Justizanstalt gebe es aber nicht, sagte Bevc. "Natürlich wird gestritten, aber insgesamt ist es trotzdem friedlich." Wenn Situationen eskalieren, sei das meist auf massive Entzugserscheinungen oder psychische Probleme zurückzuführen. Man rufe dann einen Arzt, bei sichtbaren Verletzungen werde Anzeige erstattet. Fälle von sexueller Gewalt seien in den vergangenen Jahren überhaupt keine gemeldet worden.

Probleme mit Schwarzhandel

Größer sei das Problem mit dem Schwarzhandel: "Da werden dauernd Handys geschmuggelt." Ähnlich sei es mit dem Drogenhandel. Ein Drittel bis die Hälfte der Gefangenen, so schätzte der Gefängnisleiter, haben ein Drogenproblem. Es sei schon vorgekommen, dass als Orangen getarnte, mit Heroin gefüllte Tennisbälle im Hof gelandet seien. Auch an den Unterböden der Anstaltsautos werde immer wieder etwas befestigt und so ins Gefängnis gebracht.

In der Justizanstalt Klagenfurt sind 348 Gefangene aus 38 Nationen untergebracht, bewacht werden sie von 120 exekutiven Bediensteten. (APA, 11.7.2014)

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