Prozess in Wien: Räuberische Teenagerbande

12. Juli 2014, 09:00
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Sechs Angeklagte zwischen 15 und 17 Jahren sollen mehr als 20 Gleichaltrige ausgeraubt haben. Dass ihre Zukunft besser wird, ist nicht sicher

Wien – "Wo sind Ihre Eltern?", fragt Katharina Adegbite-Lewy, Vorsitzende des Schöffensenats im Raubprozess gegen sechs Minderjährige, den 15-jährigen Erstangeklagten. "Meine Mutter ist nicht da", lautet die Antwort. Beim Zweitangeklagten sind die Erzeuger auf Urlaub. Für den Drittangeklagten antwortet der Bruder aus dem Publikum: "Die haben leider keine Zeit."

Fünf der Jugendlichen, maximal 17 Jahre alt, sind arbeitslos, einer macht eine Lehre. Der ist der einzige Vorbestrafte – zweimal bekam er bedingte Strafen wegen Raubes. In wechselnder Besetzung soll das Sextett zwischen Ende 2013 und März 2014 mehr als 20 Gleichaltrige ausgeraubt haben.

Gaspistole, Messer, Faustschläge

Einmal wurden die Opfer mit einer Gaspistole bedroht, in anderen Fällen war angeblich ein Messer im Spiel, Faustschläge und Drohungen waren weitere Mittel zum Zweck. Die Beute: Handys und Bargeld. In einem Fall drei Euro.

Ramsan K. (alle Namen geändert) soll der Haupttäter sein. Aufgewachsen in Braunau, mit der Mutter nach Wien übersiedelt, zurück zum Stiefvater in den oberösterreichischen Ort. Gehalten hat es ihn dort nicht. Er fuhr immer wieder nach Wien. Wo er schon zwischen vergangenem Oktober und dem Jahresende 30 Handys geraubt haben soll, wie er sagt.

Raub zwei Tage nach Entlassung

Er saß sechs Wochen in U-Haft, zwei Tage nach der Entlassung machte er weiter. In einem Fall beging die Gruppe zwischen 1.25 Uhr und kurz nach zwei eine Körperverletzung, einen Raubversuch und einen Raub.

K. gesteht die meisten Taten, gibt sich aber verstockt und bockig. "Wieso fragen Sie mich immer das Gleiche?", murrt er. "Weil Sie immer was anderes erzählen", antwortet die Vorsitzende.

Ein weiterer Dialog, in dem K. eine aktive Raubbeteiligung abstreitet: "Da war ich nur dabei, nur dass Sie's wissen!" – "Das reicht ja." – "Dann reicht es halt", kommt die pampige Replik. "Was haben Sie mit dem Geld gemacht?", fragt ihn Adegbite-Lewy. "Meistens beim Automaten verspielt."

Vage Zukunftsvorstellung

"Wie stellen Sie sich Ihr weiteres Leben vor?", will die Vorsitzende vom Zweitangeklagten Ivica V. wissen. "Zuerst sitze ich meine Strafe ab, denke ein bisschen nach, danach suche ich mir Arbeit."

"Wie lange sind Sie denn schon arbeitslos?", fragt Adegbite-Lewy den 17-Jährigen. Er muss kurz überlegen. "Ein Jahr." – "Und was möchten Sie machen?" – "Gastgewerbe, Kellner, da habe ich schon einmal ein Praktikum gemacht."

Nächste Woche kommen bei der Fortsetzung die Opfer zu Wort. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 12/13.7.2014)

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