Hornhaut-Transplantation: Neues Antibiotikum könnte Kortison einsparen

11. Juli 2014, 13:35
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Das Antibiotikum Azithromycin verhindert ein Eindringen von Abwehrzellen

München - Ein häufig in Augentropfen verwendetes Antibiotikum kann mehr als nur Bakterien bekämpfen. Neue Ergebnisse der Grundlagenforschung zeigen: Azithromycin hemmt Immunzellen und könnte deshalb die Erfolgschancen von Hornhauttransplantationen steigern. Vor einem routinemäßigen Einsatz sind nach Einschätzung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) jedoch klinische Studien erforderlich.

Abstoßung im Auge

Jedes Jahr bekommen etwa 5.000 Patienten an deutschen Universitätskliniken dank Organspende eine neue Hornhaut für das Auge. Mit einer Erfolgsrate von 90 Prozent ist die Verpflanzung der menschlichen Hornhaut die sicherste Organtransplantation. Doch in einigen Fällen entzündet sich nach der Operation das Auge und es kann zu einer Abstoßungsreaktion kommen. Dem beugen Ärzte nach dem Eingriff vorrübergehend mit kortisonhaltigen Augentropfen vor. Die Behandlung ist zwar wirksam, aber nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen.

"Kortison verlangsamt die Wundheilung und erhöht die Infektionsgefahr, es kann sogar die Transparenz der neuen Hornhaut mindern und damit das Sehvermögen erneut beeinträchtigen", sagt Thomas Reinhard von der DOG. Die Forschung sucht deshalb intensiv nach Alternativen. Eine Lösung könnte das Antibiotikum Azithromycin bieten. Augenärzte behandeln damit seit vielen Jahren Infektionen, etwa bei eitrigen Lid- und Bindehautentzündungen, aber auch Infektionen der Hornhaut.

Antientzündliche Wirkung 

Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass der Arzneistoff neben der antibiotischen auch eine antientzündliche Wirkung erzielt, die bei Hornhauttransplantationen nützlich sein könnte. Mitarbeiter des Grundlagenlabors der Klinik für Augenheilkunde in Freiburg untersuchten das systematisch an Ratten. Ihre Experimente ergaben: Das Antibiotikum vermindert die Schwellung und Trübung der Hornhaut nach der Operation und verhindert das Eindringen von Abwehrzellen, die eine Abstoßungsreaktion auslösen können.

Im Kontrollversuch ohne Wirkstoff, trübte sich die Hornhaut und wurde abgestoßen. "Nach diesen vielversprechenden Ergebnissen sind nun klinische Studien notwendig. Vermutlich werden die Azithromycin-Augentropfen Kortison nicht vollständig ersetzen", sagt Katrin Wacker. Sie könnten es jedoch ermöglichen, dessen Therapiedauer zu verkürzen und die notwendige Kortisondosis zu senken.

Die Behandlung erhöht die Erfolgschancen der Operation und minimiert die Risiken durch die notwendige antientzündliche Therapie nach der Transplantation. Da Azithromycin ein zugelassener Wirkstoff ist, können weitere Studien ohne weitere tierexperimentelle Versuche starten. "Wir hoffen, dass dieses Antibiotikum die Erfolgsrate der Hornhauttransplantation weiter erhöht und die Sehstärke der Patienten nach der Operation verbessert", sagt Reinhard. All dies sei nur möglich, wenn die Augenheilkunde auf ausreichend Spenderhornhäute zurückgreifen kann. Dafür sei die Bereitschaft, Gewebe und Organe zu spenden, eine nicht hoch genug einzuschätzende Leistung der Bevölkerung. (red, derStandard.at, 11.7.2014)

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