Schnell und lautlos: Kleine Kinder ertrinken meist unter Aufsicht

11. Juli 2014, 12:59
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90 Prozent der Badeunfälle passieren in der Nähe von Erwachsenen - Häufigste Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren

Wien - 90 Prozent aller Badeunfälle von Kindern passieren unter Aufsicht von Erwachsenen. Denn Kinder schreien und strampeln nicht, sie ertrinken schnell und lautlos, warnte Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) am Freitag. Umso wichtiger sei schnelles Reagieren - darauf soll nun eine Kampagne des KfV unter dem Titel "Volle Aufmerksamkeit - null Unfälle" aufmerksam machen.

4000 Verletzte zählt das KfV jährlich bei Badeunfällen, alleine im Jahr 2012 starben 46 Personen durch Ertrinken, darunter fünf Kinder unter 15 Jahren. Besonders ganz kleine Kinder sind gefährdet: Durchschnittlich sind vier von fünf Ertrinkungsopfer unter fünf Jahre alt. Damit sei Ertrinken die häufigste Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren, erklärte Thann bei der Präsentation der Bädertour-Kampagne im Wiener Kongressbad.

Auch Planschbecken gefährlich

"Man unterschätzt, dass Kinder in Schockstarre verfallen, sobald sie mit dem Wasser in Berührung kommen", meinte der KfV-Direktor. Deshalb reiche auch ein Planschbecken am Balkon für einen tödlichen Unfall. Mithilfe des Maskottchens Helmi sollen Kinder und Erwachsene spielerisch auf dieses Gefahrenpotenzial aufmerksam gemacht werden.

Denn vielen sei die Gefahr vor allem bei hauseigenen Swimming Pools und Biotopen noch zu wenig bewusst. Nur sieben Prozent gaben bei einer KfV-Umfrage an, in Pool und Co. eine Gefahrenquelle zu erkennen, berichtete Thann. Der Experte riet daher auch, private Schwimmbecken zu umzäunen. Die KfV-Bädertour macht im Juli und August in jedem Bundesland einmal Halt, um Kinder und Erwachsene gleichermaßen über Prävention und Verhalten im Notfall aufzuklären.

Immer im Auge behalten

"Einerseits ist es wichtig, dass Kinder früh schwimmen lernen, andererseits muss man den Eltern klar machen, dass es in ihrer Verantwortung liegt", erklärte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ). Die wichtigste Regel sei daher, kleine Kinder in der Nähe von Wasser immer im Auge zu behalten. Bestenfalls sogar "in Griffweite", ergänzte Thann. Auch Kinder, die gemeinsam ins Wasser springen, sollten beobachtet werden, ob alle auch wieder auftauchen.

Denn schon nach zwei Minuten verlieren Kinder unter Wasser das Bewusstsein, nach drei Minuten können durch den Sauerstoffmangel Gehirnschäden auftreten. Nach fünf Minuten kommt es zu irreversiblen Schäden bzw. Tod, erklärte Harald Hertz, Chefarzt des Wiener Roten Kreuzes. Passiere doch etwas, gehe es daher um wenige wichtige Minuten, betonte Wehsely: "Da darf man nicht wegschauen, sondern muss aktiv sein." Der einzige Fehler, den man bei Erster Hilfe machen könne, sei gar nichts zu tun.

Zuerst bergen

Treibt ein Kind leblos im Wasser, müsse man es zuerst bergen, schilderte Hertz. Dann sollte sofort ein Notruf unter der Nummer 144 abgesetzt werden - und das Handy auf Lautsprecher gestellt, um beide Hände freizuhaben. Sind mehrere Personen anwesend, können diese den Notruf durchführen. Atmet das Kind noch, sollte es in die stabile Seitenlage gebracht werden. "Atmet das Kind nicht mehr, muss sofort mit der Reanimation begonnen werden", so der Rot-Kreuz-Chef.

Zunächst müssen die Atemwege des Kindes freigemacht, also etwa Wasser oder Erbrochenes entfernt, werden. Dann sollte mit der Herzdruckmassage begonnen werden - 60 mal in der Minute, bei kleinen Kindern bis zu 100 mal. "Es hat sich herausgestellt, dass die Herzdruckmassage wesentlich wichtiger ist als Mund-zu-Mund-Beatmung", erklärte Hertz. Optimal sei natürlich trotzdem abwechselnd 30 mal zu pumpen, dann zweimal mit überstrecktem Kopf zu beatmen und wieder 30 mal auf den Brustkorb zu drücken.

Rettung meist zu spät

Bei kleinen Kindern dürfe natürlich nicht ganz so viel Druck ausgeübt werden wie bei Erwachsenen, aber: "Jedes Kind, das überlebt, wird dankbar dafür sein, dass sie ihm ein paar Rippen gebrochen haben", betonte Hertz. Egal wie die Herzdruckmassage durchgeführt werden, die Hauptsache sei, nicht gar nichts zu tun und das Kind hilflos sterben zu lassen - denn die Rettung komme in den meisten Fällen viel zu spät. (APA, 11.7.2014)

  • Ertrinken sei die häufigste Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren.
    grafik: apa

    Ertrinken sei die häufigste Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren.

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