WHO: Herz- und Krebserkrankungen viel zu häufig 

11. Juli 2014, 07:54
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Zum Teil mehr als 90 Prozent der Todesfälle durch nicht übertragbare Krankheiten - Österreich nicht unter den Besten 

In vielen Ländern verursachen zu einem Gutteil vermeidbare nicht übertragbare Krankheiten 90 und mehr Prozent der Todesfälle. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs sind die Spitzenreiter. Österreich befindet sich in dieser Hinsicht nicht in optimaler Position. Das ergibt sich aus neu erstellten Länderprofilen, welche die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstag in Genf vorstellte.

Verhütbarkeit der Krankheiten

"Die Mortalität durch nicht übertragbare Erkrankungen bleibt weltweit inakzeptabel hoch und steigt an. 38 Millionen Menschen sterben jährlich an nicht übertragbaren Krankheiten, hauptsächlich an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronischen Lungenkrankheiten und Diabetes. Mehr als 14 Millionen dieser Todesfälle betreffen Menschen im Alter zwischen 30 und 70 Jahren, 85 Prozent davon in den Entwicklungsländern", heißt es im Vorwort des Reports ohne Länder-Rangliste zu dem Themenbereich.

Das zahlenmäßige Übergewicht der Entwicklungsländer ergibt sich vor allem aus den im Vergleich zu den Industriestaaten höheren Bevölkerungszahlen. Ein Charakteristikum der nicht übertragbaren Krankheiten der hohe Anteil ihrer Verhütbarkeit: vor allem durch gesunde Ernährung, Bewegung, Nichtrauchen und weniger Alkoholkonsum.

Ungarn schneidet schlechter ab

Die Länderstatistiken zeigen deutlich den Einfluss von Lebensstandard, sozialen Verhältnissen und anderen Rahmenbedingungen. So zum Beispiel sind in der Schweiz 91 Prozent der Todesfälle auf nicht übertragbare Erkrankungen zurückzuführen. Das Risiko, an den vier häufigsten dieser Leiden im Alter zwischen 30 und 70 Jahren zu sterben, liegt bei neun Prozent. In Österreich sind 92 Prozent der Todesfälle durch nicht übertragbare Erkrankungen bedingt, das vorzeitige Mortalitätsrisiko (30 bis 70 Jahre, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt ja bei bereits mehr als 81 Jahren) durch die vier häufigsten dieser Leiden beträgt aber zwölf Prozent. In Schweden sind es beispielsweise zehn Prozent.

Wesentlich schlechter schneidet beispielsweise das Nachbarland Ungarn ab. Dort sind gar 93 Prozent der Todesfälle auf Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs, chronische Lungenkrankheiten, Diabetes etc. zurückzuführen. Das Risiko im Alter zwischen 30 und 70 Jahren an den vier häufigsten dieser Leiden zu sterben, liegt in Ungarn bei 24 Prozent, also dem doppelten österreichischen Wert.

Lebensstil- und Konsummuster

Ein ganz anderes Beispiel wäre Tansania, wo nicht übertragbare Krankheiten erst für 31 Prozent der Todesfälle verantwortlich sind, hingegen noch 58 Prozent durch Infektionskrankheiten. Trotzdem beträgt die Gefährdung, zwischen 30 und 70 an nicht übertragbaren Krankheiten zu sterben, 16 Prozent. Wer in diesem afrikanischen Land an solchen, zumeist chronischen Leiden erkrankt, hat damit auch noch schlechte Überlebenschancen.

Zu einem beträchtlichen Teil sind die nicht übertragbaren Krankheiten auf Lebensstil- und Konsummuster zurückzuführen. Hier gibt es wesentliche Unterschiede, bei denen Österreich nicht besonders gut abschneidet. So rauchen in Österreich 46 Prozent der Menschen (Daten aus 2011), in der Schweiz sind es beispielsweise nur 26 Prozent, in Ungarn 31 Prozent, in Deutschland 30 Prozent, in Schweden 24 Prozent.

Den meisten Industriestaaten ist auch ein hoher Alkoholkonsum gemeinsam: In der Schweiz waren es im Durchschnitt pro Kopf im Jahr 2010 10,7 Liter, in Österreich 10,3 Liter, in Ungarn beispielsweise 13,3 Liter, in den USA und Schweden 9,2 Liter. An Bluthochdruck litten (2008) 24,5 Prozent der Schweizer, 28,4 Prozent der Österreicher, 41,8 Prozent der Ungarn und beispielsweise 30,8 Prozent der Schweden.

Faktor Fettsucht

Übergewicht und Fettsucht stellen einen weiteren großen Risikofaktor dar. Fettsucht wiesen im Jahr 2008 20,9 Prozent der Österreicher auf, 17,5 Prozent der Schweizer, 27,6 Prozent der Ungarn und 33 Prozent der US-Bürger. In den armen Entwicklungsländern sind es oft nur um die fünf Prozent - allerdings bei stark steigender Tendenz, wie die Statistiken immer wieder zeigen. (APA, derStandard.at, 11.7.2014)

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