UN-Gesandter de Mistura: Routiniertes Personal der UNO für Syrien

Kopf des Tages10. Juli 2014, 21:29
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Staffan de Mistura folgt als Gesandter Lakhdar Brahimi nach

Hat jemand bemerkt, dass der Posten des UN-Sondergesandten für Syrien seit Ende Mai - de facto schon länger - vakant war? Die Syrien-Diplomatie ist tot, aber nachdem der wohl berühmteste Troubleshooter der Uno, der Algerier Lakhdar Brahimi, entnervt aufgab, musste ja doch ein Ersatz gesucht werden. Nach allerlei Überlegungen griff man wieder auf alt-routiniertes Uno-Personal zurück. Staffan de Mistura ist der neue Mann der Uno für Syrien.

Dabei hatte es für den 67-jährigen italienisch-schwedischen Doppelstaatsbürger bereits so ausgesehen, als ob seine lange Uno-Laufbahn zu Ende sei: Zuletzt diente er der italienischen Regierung. Staffan Domingo de Mistura, wie laut Wikipedia sein ganzer Name lautet, wurde 2011 von Mario Monti zum Staatssekretär im Außenministerium berufen. 2013 (bis April 2014) war er italienischer Sondergesandter in einer Affäre, die die italienische Öffentlichkeit sehr beschäftigt: Zwei italienische Marinesoldaten sitzen in indischer Haft, seit sie im Februar 2012 vor der Küste von Kerala auf - vermeintliche - Piraten schossen und zwei Fischer töteten.

Dass der Erfolg ausblieb - und sich auch in Syrien nicht so leicht einstellen wird -, muss der Diplomat eigentlich gewöhnt sein: Zu seinen Uno-Missionen gehörten die schwierigsten der vergangenen Jahre: Irak (2007-2009) und Afghanistan (2010-2011). Im Irak war er zuvor Vize des Uno-Sondergesandten für humanitäre Angelegenheiten gewesen. Auch als Sondergesandter im Südlibanon (2001-2004) war er im Einsatz, gefolgt von einem ruhigeren Intermezzo als Direktor des UN Staff College in der norditalienischen Stadt Turin.

Seine Karriere hatte Staffan de Mistura 1971 als Praktikant beim UN World Food Programme (WFP) im Sudan begonnen - wohin er in den 1980er-Jahren als lokaler WFP-Chef zurückkehren sollte. Seiner eigenen Darstellung nach war sein Erweckungserlebnis, das ihn dazu veranlasste, den Weg im humanitären Dienst der internationalen Gemeinschaft weiterhin zu beschreiten, der Erschießungstod eines Kindes an der Grünen Linie in Zypern Mitte der 1970er-Jahre.

Geboren wurde Staffan de Mistura 1947 in Stockholm, im Land seiner Mutter. Die adelige Familie seines italienischen Vaters war in Sebenico in Dalmatien ansässig, von wo sie nach dem Zweiten Weltkrieg flüchten musste. Der vielsprachige Diplomat mit den tadellosen Manieren hat zwei Töchter. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 11.7.2014)

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