Russland umwirbt Lateinamerika: Hegemoniale Akrobatik

Kommentar10. Juli 2014, 18:22
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Putin will sich den Staaten, die den USA kritisch gegenüberstehen, als Partner präsentieren

Wladimir Putin hat offensichtlich eine Strategie, und die lautet: Russland muss wieder Weltmacht werden. Zugleich ist Putin ein äußerst geschickter Taktiker. Er erkennt sofort Situationen, die seinem großen Ziel nutzen oder schaden können, und richtet sein Handeln danach aus.

Dass sich Moskau im Ukraine-Konflikt derzeit ziemlich ruhig verhält, obwohl die militanten Separatisten in der Defensive sind, dürfte auch mit der heute beginnenden Lateinamerika-Reise Putins zusammenhängen. Auf dem Gipfel der Brics-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) will sich der Kreml-Chef vor allem als Partner jener lateinamerikanischen Staaten präsentieren, die den USA kritisch gegenüberstehen.

Brasilien ist dabei, allein wegen seiner Größe und wirtschaftlichen Bedeutung, der Schlüsselstaat. Brasilien sieht die russische Ukraine-Politik mit einiger Skepsis und drängte schon in der Krim-Krise auf eine politische Lösung. Es wird aufschlussreich sein, ob und wie Putin beim Brics-Gipfel in Fortaleza darauf eingeht.

Dem fußballmäßig gedemütigten Gastgeber Trost und Mut zuzusprechen wird als Ersatz wohl nicht reichen. Aber gegen die globale Hegemonie der bisherigen Supermacht USA aufzutreten, wenn man sich im eigenen Einflussbereich selbst als knallharter Hegemon verhält, ist auch keine kleine sportliche Herausforderung. (Josef Kirchengast, DER STANDARD, 11.7.2014)

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