ORF-Bewegtbild: Eingriffe und Zugriffe

10. Juli 2014, 18:14
posten

Bewegte Bilder beschäftigen ORF, Zeitungen, Politik, Behörden und Gerichte: Zeitungen verhandeln über Videos und Werbe-Sharing für ihre Portale, "Österreich" greift zu 

Wien - Eines ist in Sachen Bewegtbild und ORF seit Donnerstag fix: Das ORF-Gesetz verpflichtet den Gebührensender nun, mindestens acht Millionen Euro jährlich über das Film-Fernseh-Abkommen in Kinoproduktionen zu investieren.

Medienminister Josef Ostermayer sprach im Nationalrat von einem „einmaligen Eingriff in Gesetzesform“ aus Überzeugung, dass der österreichische Film zu schützen und unterstützen sei.

Dem ORF sind Zugriffe auf seine Programme sympathischer als jene auf seine Mittel. Entsprechend verschnupft reagiert Thomas Prantner, dass der Privatsenderverband der Wettbewerbsbehörde erklärte, die geplante Radio-Abrufplattform des ORF wäre „nicht genehmigungsfähig“. Sie versuchten den ORF "in die mediale Steinzeit zurückzudrängen", sagte der Technik-Vizedirektor der APA. Der ORF lasse sich "nicht abhalten" von neuen Multimedia-Angeboten. Medien- und Wettbewerbsbehörde müssen sie – wie nun die Radiothek und den Musikvideokanal von Ö3 – prüfen.

Behörden informiert, rechtliche Klärung

Die Wettbewerbsbehörde müsste wohl auch jene Bewegtbild-Kooperationen prüfen, über die Verleger und ORF seit vielen Monaten verhandeln. Thema: ORF-Nachrichtenvideos auf anderen Medienportalen, von Werbung um diese Videos sollen ORF und Portalbetreiber profitieren.

Ein ORF-Sprecher zum Stand der Verhandlungen: "Die Gespräche zwischen ORF und VÖZ bezüglich des gemeinsamen TVthek-Videokooperationsprojekts verlaufen positiv und werden über den Sommer in verschiedenen Arbeitsgruppen fortgesetzt." Zeitungen und ORF hätten die Bundeswettbewerbsbehörde und die Medienbehörde KommAustria
"über die wichtigsten Eckpfeiler der geplanten Kooperation informiert und werden ebenfalls noch im Sommer notwendige rechtliche Abklärungen durchführen. Ziel ist es, dass im Herbst 2014 über die gesamte Kooperation Einigung erzielt wird und die Vorbereitungen für einen operativen Start getroffen werden können.

Beteiligung an Werbeerlösen

In der Schweiz liefert die öffentlich-rechtliche SRG schon dem Boulevardblatt Blick News- und Societyvideos zu. „Eine Beteiligung an allfälligen Werbeerlösen ist vorgesehen“, erklärte ein SRG-Sprecher dem Portal Watson.

Die SRG darf – im Gegensatz zum ORF – bisher keine Werbung auf ihren Webseiten schalten. Dem ORF genehmigte die Medienbehörde 2013 Werbung auch in seinem Abrufportal TVthek; Prantner beziffert die nach seinen Worten „erfreulichen“ Einnahmen da bisher nicht.

Österreich zeigt wie berichtet Bewegtbilder des ORF von der Fußball-WM, obwohl nur die Krone einen von der Fifa abgesegneten Vertrag darüber hat. Österreich beruft sich auf das Recht auf Kurzberichte für klassisches Fernsehen. Die Krone hat wie berichtet geklagt; eine Klage der Fifa soll fertig formuliert sein. Eine Bestätigung darüber stand zunächst aus (fid, DER STANDARD, 11.7.2014)

Share if you care.