Familiendynastie erschüttert Bankenwerte

10. Juli 2014, 17:53
9 Postings

Der Aktienkurs der Großbank Espirito Santo sackt an der Lissabonner Börse dramatisch ab und zieht andere Institute mit

Wien/Lissabon - Viele Ökonomen sind davon überzeugt, dass die Ruhe an den Finanzmärkten in Europa trügerisch ist. Schon kleinere Zwischenfälle könnten für gehöriges Chaos sorgen. Seit Donnerstag gibt einen eindrucksvollen Beleg für diese These.

Der Aktienkurs des zweitgrößten portugiesischen Kreditinstitutes, des Banco Espirito Santo, ist an der Lissaboner Börse um 17 Prozent eingebrochen. Die Papiere mussten in der Folge vom Handel ausgesetzt werden. Die Panikverkäufe griffen auch auf andere Werte über: Der Lissaboner Leitindex "PSI 20" gab um über vier Prozent nach, die Risikoaufschläge für portugiesische Staatsanleihen nahmen deutlich zu.

Schlechte Nachrichten

Zeitgleich zu den Turbulenzen kamen schlechte Nachrichten aus Frankreich und Italien: Die Industrieproduktion ist in beiden Ländern im Mai unerwartet stark gefallen. Die Industriedaten gepaart mit den Problemen der Lissaboner Bank sorgten für eine Verkaufswelle bei Bankaktien, allen voran in Südeuropa.

In Mailand sackten die Papiere des Banco Populare um fünf Prozent ab, die Unicredit-Aktie gab zwischenzeitlich um vier Prozent nach. In Spanien musste der Banco Popular Español wegen der schwierigen Marktverhältnisse die Emission einer Schuldverschreibung verschieben.

Mit dem Banco Espirito Santo gerät in Portugal ausgerechnet eines der traditionsreichsten Institute des Landes in den Sog der schlechten Nachrichten, wobei die Probleme nun weniger mit der Bank zusammenhängen als mit ihren prominenten Miteigentümern.

Großfamilie als Aktionär

Größter Aktionär des Kreditinstitutes ist eine der mächtigsten Dynastien Portugals, die Familie Espirito Santo. Sie hält über eine Finanzgesellschaft 25 Prozent der Bankanteile und kontrollierte bis zu einer kürzlich erfolgten Kapitalerhöhung mit Geschäftspartnern sogar mehr als die Hälfte der Bankanteile.

Die Familie kämpft aber offenbar mit Finanzproblemen. Über eine komplexe Struktur sind die Bankaktien in eine Luxemburger Familienholding eingebracht. Allein bei der Holding sollen sich die Schulden auf sieben Milliarden Euro summieren. Wie Reuters unter Berufung auf Insider berichtet, konnte die Holding zuletzt Gläubiger nicht zeitgerecht ausbezahlen. Zudem ermitteln die Behörden in Luxemburg wegen nicht näher definierter Ungereimtheiten bei dem Unternehmen und auch andere Tochterfirmen der Espirito Santos sollen mit Finanzproblemen kämpfen. Investoren gehen offenbar davon aus, dass die Probleme der Familie, die einen großen Teil ihres Vermögens während der Herrschaft von Diktator Antonio Salazar erwarben, auf die Bank übergreifen. Laut Bilanz belief sich der Jahresverlust des Kreditinstituts 2013 auf 517,6 Millionen Euro (bei einer Bilanzsumme von 93 Milliarden).

Die Regierung in Lissabon versuchte am Donnerstag zu beruhigen. Espirito Santo sei ausreichend kapitalisiert und daher nicht gefährdet. (szi, Reuters, DER STANDARD, 11.7.2014)

  • Espirito Santo ist Portugals größtes Kreditinstitut. Die gleichnamige Familie hält 25 Prozent der Anteile an der Bank.
    foto: reuters/rafael marchante

    Espirito Santo ist Portugals größtes Kreditinstitut. Die gleichnamige Familie hält 25 Prozent der Anteile an der Bank.


Share if you care.