Uni-Linz-Rektor: "Werde mich für ein Medical Valley einsetzen"

Interview11. Juli 2014, 05:30
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Richard Hagelauer über die neue Med-Fakultät, eine (noch) nicht erreichte Reform der Fakultäten und die privaten Gründe für seinen Abgang im Herbst 2015

STANDARD: Die Aufnahmetests für Humanmedizin fanden heuer erstmals auch an der Johannes-Kepler-Universität (JKU) in Linz statt. Sie sprachen von einem der bedeutendsten Tage für die Uni. Auch für den Rektor persönlich?

Hagelauer: Ja, auf jeden Fall, es ist ja ein Jahrhundertereignis für die Uni, seit über 100 Jahren versucht man in Oberösterreich ein Humanmedizinstudium in das Bundesland zu bringen. Der Aufnahmetest war sozusagen der Premierentag. Und auch für mich persönlich war es ein ganz toller Tag, weil sich die Anstrengungen gelohnt haben, die Medizin-Fakultät an der JKU umzusetzen.

STANDARD: Die Med-Fakultät war doch eher der politische Wille des oberösterreichischen Landeshauptmannes. Die Hochschulkonferenz zeigte sich sehr skeptisch bis ablehnend.

Hagelauer: Die Schaffung der Med-Fakultät ist gleichzeitig mit der Diskussion über ein begrenztes Uni-Budget gekommen. Und damit stand die Frage im Raum: Kann man sich die Fakultät leisten? Aber in der Hochschulkonferenz wurde dann auch gesagt: Wenn es zusätzliche Mittel gibt, und die neue Fakultät nicht auf Kosten bestehender Unis geht, geht es in Ordnung. Und dieses zusätzliche Budget ist jetzt bis 2028 gesichert. Genau- so wie die Kooperation mit der Medizin-Uni Graz, hier werden Synergien genutzt. Alles ist auf Schiene.

STANDARD: Trotzdem wollen Sie aufhören und nach zwei Amtsperioden nächstes Jahr nicht mehr für eine weitere kandidieren. Wieso?

Hagelauer: Die Gründe, warum ich aufhöre, sind privat. Ich werde nächstes Jahr 64. Meine Familie lebt in Nürnberg, und ich pendle seit 21 Jahren zwischen Linz und Nürnberg. Ich möchte mehr Zeit für meine Frau und Kinder und meine drei Enkelkinder haben. Außerdem habe ich beruflich immer Zeitabschnitte von ungefähr sieben Jahren, und jetzt bin ich sieben Jahre Rektor. Natürlich hat mich die Herausforderung immer gereizt, und ich habe in der Vergangenheit an der Uni auch sehr viel bewegt, wenn man sich etwa den Bereich Studien anschaut, ob Informationselektronik oder Kunststofftechnik, die wir neu eingeführt haben. Und jetzt eben Humanmedizin, die ich noch mit auf Schiene gebracht habe. Bereits dieses Jahr beginnen die ersten 60 Medizinstudenten, zunächst an der Medizin-Uni Graz. Ab 2016/17 startet das Medizinstudium dann in Linz voll durch.

STANDARD: Wie sieht Ihre berufliche Zukunft aus?

Hagelauer: Ich bleibe der Uni als Professor erhalten und werde wieder am Institut für integrierte Schaltungen tätig sein. Wenn es erwünscht ist, werde ich Kooperationen mit der Industrie und der Medizin-Fakultät forcieren, und ich werde mich für ein Medical Valley einsetzen. Dies gibt es auch in Erlangen, wo sich 500 Unternehmen zusammengeschlossen haben und gemeinsam mit der dortigen Medizin-Uni neue Lösungen erarbeiten. Das würde ich auch so in Linz aufsetzen.

STANDARD: Als die ersten Meldungen auftauchten, Sie könnten 2015 als Rektor der Uni abtreten, wurde gemutmaßt, dies sei eine Reaktion darauf, dass Ihre Reform der Fakultäten vom Senat nicht gewünscht ist.

Hagelauer: Wer mich kennt, der weiß: Wenn es Probleme gibt, dann beiß ich mich erst recht rein. Die Reform der Fakultäten ist nach außen falsch dargestellt worden. Eine neue Struktur heißt erst einmal Veränderung, und an Universitäten herrscht nun einmal die Kultur, darüber zuerst ausgiebig zu diskutieren. Und diesen Diskussionsprozess habe ich initiiert. Denn ich meine, dass man nach 40 Jahren gegebener Struktur sich sehr wohl überlegen muss, ob sie noch so schlagkräftig ist, wie sie sein soll.

STANDARD: Was meinen Sie mit "noch so schlagkräftig"?

Hagelauer: Es gibt von außen immer die Zurufe, bei der JKU ist die Technik nicht so sichtbar, wie dies für das Industriebundesland Oberösterreich sein sollte. Jetzt, in den letzten Monaten, war natürlich auch immer allumkreisend die Med-Fakultät Thema, von der Technik hat man weniger gehört. Das war auch genau der Punkt, an dem ich überlegt habe, ob man nicht die Technisch-Naturwissenschaftliche Fakultät aufgliedert, um auch als eine technische Uni wahrgenommen zu werden. Genau dasselbe gilt für die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, damit auch bei uns in Linz die Wirtschaftswissenschaften endlich so erkennbar werden wie die WU in Wien. Das war mein Vorschlag, die Entscheidung wird sicherlich noch in meine Amtsperiode fallen. So könnte man es schaffen, aus dem Schatten der großen Universitäten herauszutreten.

STANDARD: Hat Sie bei Ihren Bemühungen zur Reform nicht auch der enge Gestaltungsspielraum als Rektor desillusioniert?

Hagelauer: Dem Gestaltungsspielraum eines Rektors sind natürlich Grenzen gesetzt, das muss man ganz klar sehen. Das ist auch im Universitätsgesetz so festgelegt. Rektorat, Senat, Uni-Rat und Ministerium, in diesem Viereck muss man sich immer bewegen.

STANDARD: So mussten es die Rektoren auch schlucken, dass es seit der letzten Nationalratswahl kein eigenständiges Wissenschaftsressort mehr gibt.

Hagelauer: Mit Karlheinz Töchterle war natürlich ein Experte aus der Universität Minister, da hatte die Hochschulpolitik einen Stellenwert. Ohne Töchterles Hochschulmilliarde hätten wir manches an der JKU in Linz gar nicht mehr machen können. Denn was ist die Konsequenz, wenn bestimmte Stellen und Professuren einfach nicht mehr nachbesetzt werden können? Dann verliert eine Uni an Profil. Die Milliarde hat uns geholfen, über 2013 hinüberzukommen. Als dann nach der Wahl das Wissenschaftsministerium abgeschafft wurde, waren die Bedenken natürlich groß, wie es weitergeht.

STANDARD: Die sich zerstreut haben, wenn man auf die Meinung Ihrer Rektorenkollegen hört.

Hagelauer: Ich finde Wissenschaft und Wirtschaft in den Händen von Minister Reinhold Mitterlehner ebenso eine sehr gute Lösung, eine runde Sache. Wenn ich mit ihm rede, habe ich den Eindruck gewonnen, dass er ein Sensorium für die Universitäten hat. Er setzt sich für mehr Budget ein, will zumindest knapp 400 Millionen Euro zusätzlich sicherstellen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Das ist ein vernünftiger Weg. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 11.7.2014)

Richard Hagelauer (62) stammt aus Ammerndorf nahe Nürnberg. Nach einem FH-Studium der allgemeinen Elektrotechnik studierte er an der Uni Nürnberg Erlangen noch Elektrotechnik. 1993 kam er als Professor für komplexe digitale Schaltungen an die Johannes-Kepler-Uni nach Linz. Bevor er 2007 Rektor wurde, war er sieben Jahre Dekan der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät.

  • Zwei Amtsperioden sind genug. Richard Hagelauer hört als Rektor der Uni Linz auf und wird wieder ordentlicher Professor.
    foto: cremer

    Zwei Amtsperioden sind genug. Richard Hagelauer hört als Rektor der Uni Linz auf und wird wieder ordentlicher Professor.

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