Dank und trotz Messi im Finale

10. Juli 2014, 16:53
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Der Superstar hat sich in der entscheidenden Phase der WM bislang versteckt. Beim "FC Messi " hat Javier Mascherano die Leaderrolle übernommen

São Paulo - Zuerst wurde Lionel Messi per Zufall zum Dopingtest ausgewählt und versäumte die erste Jubelfeier in der Kabine. Dann verließ der argentinische Superstar nach dem 4:2 im Elfmeterschießen gegen die Niederlande fast fluchtartig das Stadion in São Paulo.

Seine Freude über den Aufstieg ins Finale ließ er nur via Facebook verbreiten: "Sie sind alle phänomenal, die Mannschaft hat es vollbracht. Wir sind im Finale, lasst uns das genießen. Wir haben nur noch einen Schritt vor uns." Den Sieg widmete Messi dem argentinischen Journalisten Jorge Lopez, der nur wenige Stunden vor dem Halbfinale bei einem Autounfall als Mitfahrer in einem Taxi tödlich verunglückt war.

Am Sonntag will der vierfache Weltfußballer im Finale gegen Deutschland seine Sehnsucht stillen. "Ich würde alle meine persönlichen Rekorde hergeben, um Weltmeister zu werden", sagte er schon vor der WM. Das gelang der Albiceleste zuletzt mit dem groß aufspielenden Diego Maradona 1986. Deutschland wurde im Finale mit 3:2 geschlagen.

Eine ähnliche Rolle hatte sich wohl auch Messi 18 Jahre später zugedacht. Nach einer holprigen Vorrunde, in der Argentinien nur dank vier Treffern von Messi den Gruppensieg holte, äußerte just Maradona eine gewisse Angst: Die Mannschaft müsste in "FC Messi" umbenannt werden, sie sei zu sehr von seinem 27-jährigen Abgott vom FC Barcelona abhängig.

Diese Befürchtung konnte Argentiniens Teamchef Alejandro Sabella in der entscheidenden Phase des Turniers aber erfolgreich zerstreuen. Gegen die Schweiz (1:0), Belgien (1:0) und zuletzt gegen die Oranjes gelang es Messi nicht, das Spiel an sich zu reißen - auch, weil Sabella auf kontrollierte Defensive und maximale Effektivität vor dem Tor setzte. Ángel Di María und Gonzalo Higuaín erfüllten das bravourös.

Obwohl Messi nach torlosen 120 Minuten im Elferschießen gegen die Niederlande seinen Versuch verwandelte, war die Heldenrolle für Goalie Sergio Romero reserviert. Mit zwei parierten Elfmetern von Ron Vlaar und Wesley Sneijder rechtfertigte der Ersatztorhüter von AS Monaco, der vor dem Turnier als Schwachpunkt der Argentinier ausgemacht worden war, das Vertrauen Sabellas. Als unermüdlicher Mittelfeldmotor agierte Javier Mascherano, Messis Kollege bei Barça. Das honorierte auch Argentiniens Zeitung La Nación: "Die Pluspunkte des Nationalteams: Das Herz von Mascherano und die Hände von Romero." Von Messi, der von Mascherano die Kapitänsschleife übernahm, keine Rede.

Anders als zuletzt 1990 beim 0:1 - ebenfalls unter Maradona - will die Albiceleste diesmal das Finale gegen Deutschland für sich entscheiden. "Das ist keine Revanche", sagte Mascherano. "Nur eine einzigartige Chance." (krud, sid - krud; sid, DER STANDARD, 11.7.2014)

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