Ende der Familienfotos vor der havarierten Costa Concordia

11. Juli 2014, 05:30
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Am Montag soll das Wrack der Costa Concordia seine letzte Reise antreten. Fünf Tage lang wird der Stahlriese von der Insel Giglio in den Hafen von Genua gezogen

Rom - Das hektische Treiben, das seit einigen Tagen vor der felsigen Inselküste eingesetzt hat, beobachten die Bewohner von Giglio mit gemischten Gefühlen. Die meisten von ihnen reagierten mit Erleichterung auf die Ankündigung der Regierung, das havarierte Kreuzfahrtschiff Costa Concordia nach Genua zu schleppen. Doch das Wrack hat auf der Insel nicht nur Besorgnis ausgelöst. Zehntausende Schaulustige kamen seit dem Schiffbruch zu Tagesausflügen nach Giglio, badeten in der Nähe des gestrandeten Kreuzfahrtriesen und nutzten die Gelegenheit zu Familienfotos mit Gruseleffekt.

Nun werden die zahlreichen Neugierigen verschwinden. Die Küstenwache zeigt sich darüber erleichtert - erst am Dienstag musste sie zweimal ausrücken, um Touristen zu retten, deren Schlauchboote vom rauen Nordwind abgetrieben worden waren.

Langes Tauziehen

Dem Beschluss der Regierung war ein langes Tauziehen vorausgegangen. Die Region Toskana hatte darauf bestanden, das Schiff in den nahen Hafen vom Piombino zu schleppen. Erst nach der Zusicherung, dass dort die Schiffe der Kriegsmarine verschrottet werden sollen, gab der toskanische Präsident Enrico Rossi nach.

300 Arbeiter führen nun die letzten Tests mit den mächtigen Schwimmkästen durch, die ein "refloating" des Stahlriesen ermöglichen sollen.

Start am 20. Juli

Ab Montag werde mit der Anhebung des 300 Meter langen Wracks begonnen, versichert der Chef des Bergungsteams, Nick Sloane. Der Fahrplan sieht vor, dass die Reise am 20. Juli beginnt und die von vier Hochseeschleppern gezogene Costa Concordia am 24. Juli in Genua eintrifft.

Ob dieser Fahrplan eingehalten werden kann, liegt im Ermessen der Meteorologen. Denn die Reise über das Tyrrhenische Meer soll nur dann stattfinden, wenn Schönwetter garantiert ist und Windstille herrscht. Zuschauer will die Küstenwache aus dem Operationsgebiet verbannen. Eine Zone von vier Seemeilen verbietet jede Annäherung an den Schiffskonvoi. Das Überfliegen ist untersagt.

Bürgermeister Sergio Ortelli wird von anderen Sorgen geplagt. Er will wissen, welche Strände der Insel aus Sicherheitsgründen von Badeverboten betroffen sein werden.

Ausbau von Betten und Kühlschränken

Nach der Ankunft in Genua sollen noch außerhalb des Hafenbeckens alle beweglichen Einrichtungsgegenstände des Wracks ausgebaut werden - von den Betten bis zu den Kühlschränken. Die Verschrottung soll ein Jahr lang dauern und 100 Millionen Euro kosten. Die Gesamtkosten für Bergung und Entschädigungen belaufen sich auf 1,5 Milliarden Euro.

Nach dem Unfall mit 32 Toten im Jänner 2012 sei die Reederei Costa Crociere erstmals in die roten Zahlen gerutscht, so Vorstandschef Michael Thamm. "Heute stehen wir wirtschaftlich wie- der da, wo wir vor dem Unfall waren." (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD, 11.7.2014)

  • 300 Arbeiter führen die letzten Tests am Wrack der Costa Concordia durch.
    foto: reuters/alessandro bianchi

    300 Arbeiter führen die letzten Tests am Wrack der Costa Concordia durch.

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