Lernen, weniger Schmerzen zu empfinden

20. Juli 2014, 17:22
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Luxemburger Forschern gelang es, bei Probanden Schmerzblockaden mittels einfacher Konditionierung auszulösen

Walferdange - Es ist schon lange bekannt, dass sich anhaltender Schmerz in einem Körperteil verringert, wenn einem anderen Körperteil ein neuer Schmerz zugefügt wird. Diese Schmerzblockade ist eine physiologische Reaktion des Nervensystems, um dem Körper zu helfen, mit einer womöglich relevanteren neuen Gefahr fertig zu werden.

Forscher der Universität Luxemburg haben nun in einer Studie gezeigt, dass Menschen konditioniert werden können, weniger Schmerz zu empfinden. Ihre Ergebnisse wurden aktuell im Fachblatt "PLOS ONE“ veröffentlicht.

Blockade-Mechanismus

Um das "Schmerz blockiert Schmerz"-Phänomen näher zu untersuchen, wurden Probanden am Fuß schmerzhafte elektrische Pulse verabreicht (erster Schmerz), woraufhin die Intensität des entsprechenden Schmerzes gemessen wurde. Die Versuchspersonen wurde anschließend gebeten, die Hand in einen Eimer mit Eiswasser zu halten (neuer schmerzhafter Reiz, der zu einer Reduktion des ersten Schmerzes führt).

In dem Moment, in dem die Probanden dies taten, ertönte über Kopfhörer das Klingeln eines Telefons. Nachdem dieser Vorgang mehrere Male wiederholt worden war, zeigte sich, dass der von der elektrischen Stimulation verursachte Schmerz reduziert wurde, wenn nur das Klingeln ertönte. Das Gehirn war also so konditioniert, dass das Klingeln den physischen Mechanismus zur Schmerzblockade des Körpers auslöst.

Wirkung auch umkehrbar

Die Testpersonen fühlten nicht nur deutlich weniger Schmerz, es wurden auch weniger objektive Anzeichen von Schmerz beobachtet - etwa Aktivität in den Muskeln, die ein Schmerzempfinden im Gesicht ausdrücken. An der Studie nahmen insgesamt 32 Personen teil.

"Wir haben gezeigt, dass ein ebensolcher Effekt wie bei der physiologischen Reaktion des Speichelflusses bei den pawlowschen Hunden, die durch das Läuten einer Glocke ausgelöst wurde, auch hinsichtlich der Möglichkeit besteht, Schmerz bei Menschen auszublenden", so Fernand Anton, Professor für biologische Psychologie an der Universität Luxemburg. Umgekehrt könnten ähnliche Lerneffekte bei der Steigerung und Aufrechterhaltung von Schmerzen bei manchen Patienten eine Rolle spielen. (red, derStandard.at, 20.7.2014)

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