Peter Pikl: "Es ist hier alles sehr italophil"

10. Juli 2014, 17:12
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Der Salzburger Schauspieler und Intendant sagt nach 19 Jahren Adieu zu den Komödienspielen Porcia

Porcia - Halb stolz, halb sinnierend ist der Salzburger Schauspieler Peter Pikl (68), wenn er über das Programm seiner Abschiedssaison als Intendant des Kärntner Traditionsfestivals Komödienspiele Porcia spricht. Mit Was ihr wollt (Regie: Pikl) geht es heute, Freitag, los. Aber den berühmten Narren, der in dem Stück als Shakespeares Alter Ego gilt, und als dessen Interpret Peter Pikl vorgesehen war, den kann er nicht spielen:

Weil Peter Pikl achtlos zu große Schuhe trug, zog er sich eine Fersenentzündung zu, in deren Folge er aktuell ohne Schuhe hinkt. So musste Pikl mit Dominik Kaschke die Rolle tauschen: Jetzt wird man in Spittal Kaschke als den Narren sehen und den Nochintendanten als den gehbehinderten Diener in der zweiten Festival-Produktion, Georges Feydeaus Die Brautwerber (Regie: Angelica Ladurner) ab 15. Juli.

Dass die Komödienspiele heuer mit Shakespeare beginnen, hat, wie eigentlich das ganze Programm dieses Porcia-Sommers, einen Herzensgrund, so Pikl im Gespräch mit dem Standard: "Ich wollte mir am Schluss noch beweisen, dass das ein Stück ist, mit dem das Publikum auch hier seine Freude hat. Wissen Sie, das Publikum hier ist etwas verwöhnt mit Situationskomik und Kurzweiligkeit. Das kannst du nicht machen, haben manche gemeint, wir haben traditionell keine Pausen, und länger als zwei Stunden bleiben dir die Leute nicht sitzen. Nun, wir versuchen es ohne Pause, in Shakespeare-Manier mit wenigen Raumandeutungen und in etwas weniger als zwei Stunden." Also Was ihr wollt, ein bisschen mehr in Richtung Sommertheater.

Das wollten die Komödienspiele im Schloss Porcia bereits, als sie 1961 von Herbert Wochinz, der damals während des Restjahres in Wien das Theater am Parkring führte, nach den ersten Gehversuchen im Maria Saaler Tonhof (mit Thomas-Bernhard-Beiträgen) gegründet wurden.

Shakespeare-Phobie

Pikl, nach Wochinz (1961-90) und Tamas Ferkai (1991-96) der dritte Intendant in der 54-jährigen Festivalgeschichte, ist stolz, "dass wir auch hinausgekommen sind über die reine Komödie. Wir haben Schnitzler gespielt, Hofmannsthals Schwierigen, George Bernard Shaw, den Idealen Gatten von Oscar Wilde, auch das Traditionelle. Es ist hier alles sehr italophil. Wir haben aber auch zwei Jahre lang mit Riesenerfolg den Schwejk gespielt, auch Ferdinand Raimund oder, erst im Vorjahr, den Herrn Karl. Alles Sachen, bei denen man dachte, das ist hier gar nicht möglich."

Mit Was ihr wollt schüttelt Porcia nebenbei auch seine "Shakespeare-Phobie" (Pikl) ab. Die rührt daher: H. C. Artmann war bis zu seinem Tod "unser Hausdramaturg, fast alle seiner rund dreißig Dramenübertragungen sind bei uns uraufgeführt worden. Aber aus dem Englischen wollte er nicht übersetzen."

Und was die diesjährigen Sommerausflüge abseits der reinen Komödie, auch hin zum Zeitgenössischen betrifft: René Heinersdorff, der Düsseldorfer Uraufführungsregisseur, zeigt ab 19. Juli das Stück Winterrose über das bisweilen späte Erblühen der Leidenschaft (Autoren: Christa, Agilo und Michael Dangl); der Wiener Regisseur Peter Gruber stellt ab 22. Juli dem Spittaler Publikum mit Spiel's noch mal, Sam! erstmals ein Stück von Woody Allen vor, und Dominik Kaschke inszeniert das diesjährige Auftragswerk der Komödienspiele, die "nestroy-artige Lokalposse" (Pikl) Urlaub bei Freunden von René Freund: Da geht es um einen Campingplatz am Millstätter See, der von Arabern gekauft werden soll, der vermeintliche Scheich ist zwar letztlich nur der Surflehrer, aber es beruht alles verlässlich auf wahren Kärntner Begebenheiten (offstage am Brunnen im Stadtpark bereits ab 25. Juni).

Peter Pikl: "Nur wissen Sie, neunzehn Jahre sind eine lange Zeit. Es noch länger zu machen, da hätte ich Angst gehabt, dass ich mir selbst nicht mehr genüge." Seine Nachfolge tritt mit der Saison 2015 seine Stellvertreterin seit 2008 an, die Innsbrucker Schauspielerin, Sängerin und Regisseurin Angelica Ladurner. (Michael Cerha, DER STANDARD, 11.7.2014)

  • Peter Pikl ist stolz auf die Bandbreite seines in Porcia hingelegten Programms.
    foto: walter fritz

    Peter Pikl ist stolz auf die Bandbreite seines in Porcia hingelegten Programms.

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