HIV/Aids: Extrem Gefährdete erhalten am wenigsten Betreuung

11. Juli 2014, 09:27
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Risikogruppen wie Homosexuelle, Drogenabhängige, Sexarbeiter und Transgender-Personen benötigen mehr Unterstützung, so die WHO 

HIV-Infektionen und Aids wären sehr gut zu verhindern und zu behandeln. Doch gerade jene Personengruppen, die durch die Immunschwächekrankheit am meisten gefährdet sind, erhalten am wenigsten Zugang zu Prophylaxe und Therapie, kritisiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auch würden Risikogruppen wie Transsexuelle, Drogenabhängigen, Prostituierten und Gefängnisinsassen immer noch diskriminiert. Dies würde den weltweiten Fortschritt in der Bekämpfung von HIV/Aids bedrohen, so die WHO.

Die Bedürfnisse von Risikogruppen müssten zudem in die nationalen HIV-Strategien aufgenommen werden, betont die Organisation. Derzeit berücksichtigen laut WHO nur zwei Drittel der Länder in ihren Strategien die Situation von Schwulen oder Prostituierten. Auf Drogenabhängige gehen nur 40 Prozent der Länder ein, Transsexuelle haben kaum irgendwo eine Lobby.

Bemühungen nötig 

Die Weltgesundheitsorganisation fordert deshalb spezielle Bemühungen zur Bereitstellung adäquater Hilfe für jene Personengruppen, die durch Lebensstil oder andere Umstände besonders durch eine Infektion mit dem HI-Virus und deren Folgen gefährdet sind: Das sind Männer, die mit Männern Sex haben, Gefängnisinsassen, Personen, die sich Drogen injizieren, Sexarbeiter und Transgender.

So erklärte der aus Österreich stammende Chef der Abteilung für HIV der WHO, Gottfried Hirnschall: "Niemand aus diesen Gruppen lebt 'isoliert'. Sexarbeiter und ihre Kunden haben Ehemänner, Frauen und Partner. Manche injizieren Drogen, viele haben Kinder." Weltweit lebten Ende 2013 rund 35,3 Millionen Menschen mit HIV. Jährlich sterben derzeit noch immer rund 1,6 Millionen Personen weltweit an Aids. Auch kritisiert die WHO die Diskrepanz zwischen reichen und ärmeren Ländern: "Diejenigen, die global die größten Infektionsrisiken und den schlechtesten Zugang zur Gesundheitsversorgung haben, werden zurückgelassen."

Neue Richtlinien 

Die Organisation hat deshalb neue Richtlinien für die Prävention, Diagnose, Behandlung und Betreuung (Sozialdienste, Pflege etc.) für die gefährdeten Gruppen formuliert. Sie sollen ab 20. Juli bei der Internationalen Aids-Konferenz in Melbourne präsentiert werden. Einer der neuen Kernpunkte in diesen Empfehlungen: Zum ersten Mal empfiehlt die WHO Homosexuellen, die Einnahme antiretroviraler Medikamente vor gleichgeschlechtlichen Sexkontakten als zusätzliche Prophylaxe (neben Kondomen) zu überlegen.

"Modellberechnungen zeigen, dass man mit einer solchen Prä-Expositionsprophylaxe bei Männern, die mit Männern Sex haben, eine Reduktion der HIV-Infektionsraten um 20 bis 25 Prozent erreichen kann. Damit könnte man in dieser Personengruppe innerhalb von zehn Jahren eine Million HIV-Infektionen verhindern", so die Weltgesundheitsorganisation. Prostituierte hätten das 14-fache Ansteckungsrisiko im Vergleich zu anderen Frauen, Männer, die mit Männern Sex haben, tragen die 19-fache Gefährdung. Transgender wiesen - ebenso wie i.v. (intravenös injiziert) Drogenabhängige - gar ein um den Faktor 50 gesteigertes Risiko auf.

Mehr Unterstützung 

Deshalb sollten gerade diese Bevölkerungsgruppen weltweit besonders guten Zugang zu Prophylaxe- und Betreuungsangeboten haben: Sicherstellung des Kondomgebrauchs, medikamentöse Prophylaxe, Medikamente nach risikobehafteten Kontakten, Angebot für Beschneidung auf freiwilliger Basis, Nadel-Tauschprogramme für i.v.-Drogenkonsumenten, Opiat-Substitutionstherapie, niederschwellige Angebote für HIV-Tests, HIV-Therapie für Infizierte. Besondere Bedeutung komme auch der Prophylaxe bei Schwangeren zu, stellt die WHO fest.

Zu dem Gesamtpaket gehören auch Angebote für Tests auf andere sexuell übertragbare Erkrankungen, hinzu kommen beispielsweise Vorsorgeuntersuchungen auf Gebärmutterhalskrebs und die Gewährleistung der Möglichkeit für einen sicheren Schwangerschaftsabbruch. Insgesamt müsste aber die Gesellschaft (Gesundheitswesen, Justiz, Sozialsystem) gerade die am meisten durch HIV/Aids Gefährdeten unterstützen. (APA, derStandard.at, 11.7.2014)

  • Risikogruppen für HIV/Aids sollen weltweit bessere Unterstützung erhalten.
    foto: apa/dpa-zentralbild/patrick pleul

    Risikogruppen für HIV/Aids sollen weltweit bessere Unterstützung erhalten.

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