Schwer verlaufende Durchfallerkrankungen nehmen zu

10. Juli 2014, 15:23
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In Deutschlands Spitälern werden Clostridium difficile-Infektionen zu einem größer werdenden Problem - betroffen sind vor allem ältere Menschen 

Berlin - In Deutschland steigt die Zahl schwerer Darminfektionen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen und tödlich enden können. So wurden im Jahr 2000 etwa 128.00 Menschen wegen einer Durchfallerkrankung stationär aufgenommen, 2011 waren es mit rund 282.000 Patienten mehr als doppelt so viele.

Besonders stark zugenommen haben laut Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) Infektionen mit dem Erreger Clostridium difficile, der sich nach der Einnahme von Antibiotika im Darm ausbreiten kann. Vor allem ältere Menschen seien hiervon betroffen, so die Experten.

Weit verbreitet 

"Clostridium difficile-Bakterien sind in der Umwelt weit verbreitet und kommen auch bei vielen Gesunden im Darm vor", erklärt Studienautor Markus Lerch, Präsident der DGVS. Stören Antibiotika das Gleichgewicht der gesunden Darmflora, also die Besiedlung der Darmschleimhaut mit schützenden Mikroorganismen, kann sich der Erreger ungehindert vermehren. Gefährlich sind die Bakterien durch ihre Gifte: Die Toxine lähmen die Darmwand und führen im schlimmsten Fall zu einer ballonartigen Ausweitung des Dickdarms, einem "toxischen Megacolon".

Wie die DGVS-Forscher anhand von Daten des Statistischen Bundesamtes ermittelten, ist die Zahl der Patienten, die wegen einer Clostridium difficile-Infektion in die Klinik kamen, deutlich gestiegen. Während es im Jahr 2000 noch rund 1.300 waren, nahmen deutsche Kliniken 2011 knapp 28.200 Erkrankte auf.

"Diese Daten sind alarmierend und ermahnen uns einmal mehr dazu, Antibiotika sehr gezielt einzusetzen", sagt Ansgar Lohse vom Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf. 15 bis 20 Prozent der Antibiotika-assoziierten Durchfallerkrankung würden durch Clostridium difficile verursacht. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein Großteil der Sterbefälle, die Kliniken im Zusammenhang mit Magen-Darm-Infektionen registrieren, auf Infektionen mit diesem Bakterium zurückgehen.

Mehr Infektionen

Doch nicht allein Erkrankungen mit Clostridium difficile nehmen zu. Wie die Analyse ergab, steigt auch die Zahl der Infektionen mit Noroviren, Rotaviren, Campylobacter- und E. coli-Bakterien. "Durch Infektionen im Magen-Darmtrakt sind vor allem ältere Menschen gefährdet", berichtet Mitautor Andreas Stallmach. So waren etwa bei den Clostridium difficile-Infektionen mehr als 80 Prozent der Patienten über 65 Jahre.

Aber auch bei den virusbedingten Darminfekten, bei denen Kinder noch die größte Patientengruppe ausmachen, nimmt der Anteil älterer Patienten zu. "Wir gehen davon aus, dass sich mit der demographischen Entwicklung die Problematik von Darminfektionen weiter verschärfen wird", sagt Stallmach. Um der wachsenden Aufgabe zu begegnen, müsse man Aus- und Weiterbildung von Gastroenterologen auf dem Gebiet der Infektiologie weiter verbessern, betont DGVS-Präsident Lerch. (red, derStandard.at, 10.7.2014)

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