Weiblich und winkend

Kulturglosse10. Juli 2014, 17:24
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Große Töchter anderswo

Wer zum Beispiel ein Projekt realisieren und Fördergelder erhalten will, der braucht ein Ding, das wirtschaftlich und rechtlich verantwortlich ist. Man gründet daher einen Verein, einen sogenannten Trägerverein. Dieser Verein trägt das Projekt. Und dieser Verein ist trotz der Endung -in, die auf etwas Weibliches hindeutet (von Genossin bis Gespielin) männlich.

Bisher kam wohl noch niemand auf die Idee, den Verein zu gendern. Aber Trägerinnen gibt es! Die politisch ganz korrekten Menschen im Amt sprechen daher, auch wenn das ein voller Holler ist, vom TrägerInnenverein.

Man kann ja alles übertreiben. Und möglicherweise gibt es wieder einmal eine Trendumkehr. In der Schweiz, in der die Frauen nur gnadenhalber wählen gehen dürfen, lässt man daher lieber alles so, wie es einmal war.

Folglich weisen Schilder im Flughafen Zürich zur "Zuschauerterrasse". Darüber könnte man noch hinwegsehen. Aber die Facility-Manager setzen für alle, die nicht lesen können, auch ein niedliches Piktogramm ein. Auf diesem sieht man eine winkende Frau und ein winkendes Mädchen (beide im Rock).

Die heile Welt der Bürgerlichkeit sieht so aus: Der Vater fliegt auf Dienstreise, Ehefrau und Tochter haben zu Hause zu bleiben. Aber sie dürfen zumindest eine Träne verdrücken und eifrig winken. Als Zuschauer. Gabalier freut sich sicher einen Hax'n aus. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 11.7.2014)

  • Schild im Flughafen Zürich.
    foto: thomas trenkler

    Schild im Flughafen Zürich.

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