Gregor Mühlberger ist Glocknerkönig

10. Juli 2014, 14:30
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Niederösterreicher erster heimischer Triumphator am Dach Österreichs seit Glomser 2008 - Tagessieg an Neuseeländer Sergent, Konrad in Gesamtwertung verbessert

St. Johann/Pongau - Der Sieg auf der Glockneretappe war außer Reichweite, doch zwei Österreicher haben sich auf dem 5. Teilstück der Österreich-Rundfahrt gut in Szene gesetzt. Patrick Konrad verbesserte sich als Dritter der 146-km-Fahrt von Matrei nach St. Johann/Alpendorf auf den vierten Gesamtrang, Gregor Mühlberger sicherte sich als erster ÖRV-Profi seit 2008 den mit 2.504 Euro dotierten Titel des Glocknerkönigs.

Konrad sprintete bei der kleinen Bergankunft im Alpendorf in der Sportwelt Amade als Erster der Verfolgergruppe mit dem Gesamtführenden Pete Kennaugh (GBR) ins Ziel, 57 Sekunden hinter dem Tagessieger Jesse Sergent (NZL) und 8 hinter Johan Bagot (FRA). "Der 3-km-Schlussanstieg liegt mir, da kann ich meine Stärken ausspielen", sagte Konrad, der nach dem Diebstahl seiner Räder dank des Ausrüsters Simplon und des nächtlichen Einsatzes der Mechaniker für Donnerstag neues Material bekommen hatte.

Der 22-jährige Niederösterreicher spürt bereits die Strapazen ("Da geht es allen gleich"), hat den Blick aber dennoch nach vorne gerichtet. "Mein Ziel ist das Stockerl", erklärte der Gourmetfein-Profi. Der dritte Rang war vor der Königsetappe am Freitag über Tauernpass und Turracher Höhe auf den Dobratsch bei Villach 26 Sekunden entfernt.

Schonungslose Kletterei

Mühlberger, der auf der Auftaktetappe von einem Defekt entscheidend gebremst worden war, folgte Gerrit Glomser als heimischer Glocknerkönig nach. Er hatte im 18 km langen Anstieg zum Hochtor (2.504 m) wieder zu den Fluchtgefährten Sergent und Bagot aufgeschlossen und holte sich bei Kälte und Nebel den ersten Platz auf dem "Dach" der Rundfahrt. "Ich wollte unbedingt in eine Fluchtgruppe, heute war der Glocknerkönig das Ziel", sagte der 20-Jährige von Tirol Cycling. Der Niederösterreicher hatte sich allerdings völlig verausgabt und ließ sich nach der Abfahrt ins Feld (39./+4:54) zurückfallen. "Es kann sein, dass ich am Freitag für diese Anstrengungen bezahlen muss", meinte der ÖRV-Vizemeister.

Konrad hatte hingegen gleich nach der Abfahrt vom Glockner ("Die Profis lassen es da trotz Regen richtig krachen") Anschluss an die Verfolgergruppe mit allen Assen geschafft. An das Spitzenduo kamen sie aber nicht mehr heran. Sergent hatte sich 20 km vor dem Ziel abgesetzt und danach seine Zeitfahr-Qualitäten ausgespielt. 2005 war er in Wien Junioren-Weltmeister in der Bahn-Teamverfolgung geworden, nun beendete er in Österreich eine dreijährige Durststrecke. "Ich bin sehr glücklich, das war wirklich ein schöner Erfolg für mich", betonte der Trek-Teamkollege von Riccardo Zoidl.

Zoidl kündigt Attacke an

Vorjahrssieger Zoidl kommt immer besser in Fahrt. Nach der Enttäuschung am Sonntagberg klassierte sich der 26-Jährige in einer ähnlichen Zielankunft als Neunter mitten in der Gruppe der Besten. "Ich fühle mich gut", sagte der Oberösterreicher, der als neuer Gesamt-13. einen Rückstand von 3:14 Minuten aufweist. Der Staatsmeister kündigte für Freitag eine Attacke an. "Ich wollte schon am Glockner angreifen, aber das hätte bei diesem Gegenwind keinen Sinn gehabt", erklärte Zoidl.

Auf bestem Weg, sich zu Zoidls Nachfolger aufzuschwingen, ist Kennaugh. Vor den 182 Kilometern am Freitag mit Ziel bei der Rosstrattenhütte auf dem Dobratsch (1.742 m) hatte der britische Meister des Teams Sky 29 Sekunden Vorsprung auf den Italiener Damiano Caruso (Cannondale), 40 auf Javier Moreno (ESP/Movistar) und 1:06 auf Konrad, der Oliver Zaugg (SUI/1:07) überholte. "Es warten noch zwei harte Tage", sagte Kennaugh, "und heute hatte man keinen Augenblick Zeit, sich zu erholen."  (APA/red, 10.7.2014)

Österreich-Radrundfahrt, Donnerstag:

5. Etappe, Matrei in Osttirol - St. Johann/Alpendorf (146,4 km):
1. Jesse Sergent (NZL) Trek 3:57:04 Stunden (Schnitt: 37,05 km/h)
2. Yohan Bagot (FRA) Cofidis +0:49 Min.
3. Patrick Konrad (AUT) Gourmetfein Wels 0:57
4. Damiano Caruso (ITA) Cannondale
5. Daniel Martin (IRL) Garmin
6. Javier Moreno (ESP)
7. Peter Kennaugh (GBR) Sky
8. Oliver Zaugg (SUI) Tinkoff-Saxo 
9. Riccardo Zoidl (AUT) Trek
10. Thomas Degand (BEL) Wanty alle gleiche Zeit

Weiters:
23. David Wöhrer (AUT) Tirol Cycling 1:25
39. Gregor Mühlberger (AUT) Tirol Cycling 4:54
45. Clemens Fankhauser (AUT) Tirol Cycling 12:03
56. Andreas Hofer (AUT) Team Vorarlberg gl. Zeit

Aufgegeben u. a.: Ivan Basso (ITA) Cannondale, Kevin Seeldraeyers (BEL) Wanty

Gesamtwertung:
1. Kennaugh 22:24:20 Stunden
2. Caruso +29 Sekunden
3. Moreno 40
4. Konrad 1:06 Min.
5. Zaugg 1:07
6. Jure Golcer (SLO) Gourmetfein Wels 1:50
7. Eros Capecchi (ITA) Movistar 1:51
8. Jerome Coppel (FRA) Cofidis 2:04
9. Dayer Quintana (COL) Movistar 2:44
10. Jesper Hansen (DEN) Tinkoff-Saxo 2:50

Weiters:
13. Zoidl 3:14
26. Wöhrer 13:10
34. Mühlberger 17:26
47. Fankhauser 25:34

Die "Glocknerkönige" der Österreich-Rundfahrt seit 1996:

1996 Tour ohne Glockner
1997 Frank Vandenbroucke (BEL)
1998 Boris Premuzic (SLO)
1999 Tour ohne Glockner
2000 (zwei Mal Glockner) Daniele Nardello (ITA) und Maurizio Vandelli (ITA)
2001 Ivan Basso (ITA)
2002 und 2003 Tour ohne Glockner
2004 Tomas Konecny (CZE)
2005 Juan Miguel Mercado (ESP)
2006 Bernhard Kohl (AUT) 
2007 Christian Pfannberger (AUT)
2008 Gerrit Glomser (AUT)

2009 Koos Moerenhout (NED)
2010 Riccardo Ricco (ITA)
2011 Alexandre Geniez (FRA)
2012 Jakob Fuglsang (DEN)
2013 Mathias Frank (SUI)
2014 Gregor Mühlberger (AUT)

  • Gregor Mühlberger auf der Verfolgung von Jesse Sergent (NZL/li) und Johan Bagot (FRA).
    foto: apa/expa/johann groder

    Gregor Mühlberger auf der Verfolgung von Jesse Sergent (NZL/li) und Johan Bagot (FRA).

  • Am schnellsten ganz oben: Mühlberger.
    foto: apa/expa/johann groder

    Am schnellsten ganz oben: Mühlberger.

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