Srebrenica: Europas Schmerz

Leserkommentar11. Juli 2014, 12:16
35 Postings

Srebrenica ist nicht nur eine bosnische, sondern auch eine europäische Tragödie

Die Tage um den 11. Juli lösen jedes Jahr in vielen von uns Trauer und Bestürzung aus. Wir erinnern uns an Srebrenica. Diese ostbosnische Stadt ist seit nunmehr 19 Jahren zu einem weltweiten Symbol des Leidens geworden. Dieses Leiden verschlägt uns oft die Sprache und macht jede Erklärung sinnlos.

Die sucht man in diesen Julitagen auch nicht: Sie sind vor allem ein Anlass, um der Opfer stillschweigend und respektvoll zu gedenken. Denn eine gesunde Erinnerungskultur duldet keinen Hass oder Rache, kein Relativieren oder gar Leugnen dieses Völkermords. Sie fordert aber gleichzeitig eine unermüdliche Suche nach Gerechtigkeit und Aufarbeitung, damit diese Gräueltaten nie wieder passieren.

Schmerz verbindet

Die Opfer von Srebrenica waren muslimische Bosniaken, sie symbolisieren aber das Leiden der gesamten Menschheit. Denn das, was uns alle Menschen gleichwohl verbindet, ist der Schmerz: Er ist überall gleich, egal um welche Opfer es geht, welchem Volk und welcher Religion sie angehören. Warum ist es aber für Österreich und Europa wichtig, dieser 8.372 ermordeten Männer und Buben zu gedenken?

Weil sie ja auch Europäer waren – jene Europäer, die Europa abgestoßen hat, indem es komplett versagt hat, einen blutigen Konflikt in seiner Mitte zu verhindern.

Urteil in Den Haag erwartet

In den nächsten Tagen wird an einem Bezirksgericht in Den Haag ein Urteil in einem Prozess erwartet, den Srebrenica-Hinterbliebene gegen die Niederlande führen. Dieses EU-Land könnte für den Tod von mindestens 2.000 Völkermordopfern verantwortlich gemacht werden, weil seine dort stationierten Soldaten im Juli 1995 das Gemetzel nicht verhinderten.

Die tragischen Ereignisse von Srebrenica sind tief in der gemeinsamen europäischen Geschichte verwurzelt. Aus diesem Grund müssen wir nicht nur am 11. Juli über Srebrenica sprechen – über ein Verbrechen aus der Zeit, in der wir es alle für unmöglich gehalten haben. (Nedad Memić, Leserkommentar, derStandard.at, 11.7.2014)

Nedad Memić ist Chefredakteur des Magazins "Kosmo"

Share if you care.