Metallica: Aktion, Reaktion, Abreaktion

Die US-Metal-Superstars begeisterten auf der Trabrennbahn Krieau 50.000 Besucher mit einem vom Publikum per Internet-Voting zusammengestellten Best-of-Programm

Wien - Ein wenig faul ist es ja schon, wenn man die jahrzehntelange Live-Routine gerade dadurch brechen will, dass man das Publikum darüber abstimmen lässt, was gespielt werden soll. Heraus kommt über Internet- und SMS-Voting ziemlich genau jenes Programm, das man schon vor 20 Jahren auf Autopilot spielen konnte. Damals firmierte man in der Szene noch unter dem Spitznamen Alcoholica - und funktionierte mit fantastischen Konzerten wie jenem 1992 in der Wiener Stadthalle trotzdem hervorragend.

Metallica befinden sich derzeit im vierten Jahrzehnt ihrer Karriere wieder einmal auf Dienstreise. Das aktuelle Programm der erfolgreichsten Metalband aller Zeiten nennt sich "Metallica By Request". Die kalifornischen Thrash-Metal-Pioniere machten damit vor 50.000 Besuchern auf der für Konzerte überraschend geeigneten Trabrennbahn in der Wiener Krieau Station. Sound gut, Wind stark, etwas kühl.

Der Konzertbeginn des Hauptacts war nach üblich verdächtigen Vorbands wie Children of Bodom und den wieder einmal wiedervereinten Alice In Chains fußballfreundlich angesetzt. Möglicherweise machte die FIFA Druck, aber nach dem Konzertende konnte man noch die Verlängerung und das Elferschießen im Halbfinale von Don't cry for me Argentina gegen Jetzt fliegen gleich die Löcher aus dem Käse sehen.

Mitte des Lebens

Metallica mögen in der Mitte ihres Lebens zwar mittlerweile in Ehren ergraut sein und auf den Großbildschirmen der Bühnenkonstruktion etwas abgerockt, allerdings längst trockengelegt flimmern. Und auch Schlagzeuger Lars Ulrich zeigte speziell bei langsamen Songs wie dem von Ennio Morricones Italo-Western-Soundtracks beeinflussten "The Unforgiven", dass die im Metal wie im Publikum obligate Handwerkerehre oft durch Form- und Temposchwankungen auf den Boden des Heimwerkertums zurückgeholt wird. Allerdings hackten sich die Gitarristen James Hetfield, Kirk Hammett und der auch schon wieder seit zehn Jahren neue Bassist Robert Trujillo im satten Frequenzbereich eines Murenabgangs im Hochgebirge souverän und rüstig durch alte Klassiker wie "Battery", "Master Of Puppets" und "Ride The Lightning".

Gerölllawine

Doppelte Bassdrum, Gerölllawine am Bass, kreischende Soliergitarren, dringlich das individuelle Leid in der Masse und im System und auf der Welt kritisierender Gesang aus dem Solarplexus. Wenn etwas nicht passt, wohnt dort auch das Ungutdraufsein. James Hetfield hat jede Menge Protest in sich. Beim Song "One", in dem es um einen auf der Intensivstation liegenden US-Soldaten geht, marschieren Skelette über die Bildschirme. Düster-sinnierender Nihilismus, Schmerz, Verzweiflung, Hass.

Etwas verstörend wirkt es, dass Hetfield dazwischen fragt, ob es uns gut geht und ob wir heavy wollen. Ja, wir wollen mächtig heavy. Viel mehr heavy, als mit tiefergestimmten Gitarren im Bauch von Wien zu rumoren, geht aber ohnehin nicht. Wir haben es mit zwischenzeitlich wunderbar amelodiösem, antimusikalischem Musikermuckertum und testosteronhaltigem Rabatz auf turbofrisierter Bluesrockbasis zu tun, der aufgrund einer Fügung des Schicksals vor einem Vierteljahrhundert durch die Beifügung gemütlicherer Hardrockelemente und Grölrefrains zu Stadiongröße wuchs. Seitdem geben Metallica Stadionkonzerte, machen herrlich mutige Gruppentherapiefilme wie "Some Kind Of Monster" und stellen zu alten, in Wien selbstverständlich gegebenen Kurzzeitgedächtnis-Zerstörungsklassikern wie "Blackened", "Enter Sandman", "Nothing Else Matters" und "Seek & Destroy" neuere Vorschläge aus dem Themenbereich Aktion, Reaktion, Abreaktion.

Der neue "extra für die Tour" (hey!) geschriebene Song "Lords Of Summer" kommt dabei noch nicht so gut bei den Leuten an. Er klingt allerdings wie eine fünfminütige Zusammenfassung für eilige Metallica-Laufkundschaft. Metallica, das geht so: Hack, hack. Stop. Go. Bretter, bretter. Zupf, ziselier. Bretter, bretter. Hack, stampf. Stop. Go. Crash. Uaaaaarrrrrrrgh! Die! Kill!

Ungefähr 95 Prozent aller im Publikum wie auf der Bühne trugen die Lieblingsfarbe des Johnny Cash. Sie alle sahen für einen Einzug von Orange ins Finale schwarz. (Christian Schachinger, derStandard.at, 10.7.2014)

  • James Hetfield und Metallica gaben live in Wien alte, das Kurzzeitgedächtnis zerstörende Klassiker wie "Master Of Puppets".vergrößern (534x800)
    foto: robert newald

    James Hetfield und Metallica gaben live in Wien alte, das Kurzzeitgedächtnis zerstörende Klassiker wie "Master Of Puppets".

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Am besten war der Kommentar eines pickelgesichtigen Mettallicers zu dem Tshirt meines Kollegen:

"Headbanger's Ball? Was soll den das fuer eine Luschenband sein?!"

Da haben dann wirklich alle gelacht und das Bier schmeckte gleich noch besser...

Guter Artikel über das Konzert ...

http://kurier.at/kultur/mu... 74.179.592

Wer ist eigentlich damals, als sich der Hetfield bei einem Pyrounfall die Finger verbrannt hat, für ihn während der restlichen Tour durch Ameriga an der Gitarre eingesprungen? Mir fällt es nicht mehr ein.....

john marshall, gitarrist bei metal church

Einer von den Flippers!

Bernhard Flipper?

Die beiden wirklich Fähigen haben sie ja aus der Band geekelt, und glücklicherweise hat sich der eine dann doch nicht zu Tode gesoffen. Der war, zugegeben, eine echte Belastung für die Boygroup. Aber Newsted war eine echte Gefahr, viel zu kreativ und zu gescheit.

cliff burton ist gestorben - der hatte massgeblichen anteil an ride und master wenn auch nicht offiziell in den credits - ein mick taylor schicksal

mustaine hat sowieso die bessere band gegründet

Ich hab es mir jetzt auch angehört die fehler die der lars macht! Aber es war sehr mühe voll die fehler auch raus zu hören!
Lasst uns doch Metallica live sehen und schwärmen!
Solange ich selber gehen, denken, reden, entscheiden kann
werde ich auch (soweit es sie als band gibt) wenn sie in österreich sind hin gehen
Schon mal gehört das man Live einfach mehr spürt!
Das war mein 7. Konzert von ihnen und mit sicherheit nicht das letzte

Mal als Auflockerung, zwischen den ganzen Lars Ulrich Diskussionen, einer der (im positiven Sinne) verrücktesten Drum-Performances, die ich je gesehen hab... :-D

https://www.youtube.com/watch?v=hG5lhcSoPfM

Das Video ist wirklich immer wieder geil anzusehen :-))))

Der beste Drummer ist sowieso "the animal" von den muppets!

sehr schoen haben sie das gemacht...

... da gibts nix zu meckern, aber was das buehnenoutfit betrifft, sollten sie evtl. einmal mit ihren bandkollegen kriegsrat halten :-P

Gerade das Bühnenoutfit macht das ganze noch verrückter! :-)

Bald sind die Stones eingeholt mit den Beiträgen. Und das bei einer Metal Band..
Sagt eh schon alles und ich mein das positiv

welche metalband? es sit doch von metallica und nicht megadeth die rede

Metallica ist die GoldWing der Metal Szene oder?^^

Heuer wollt ich nur mal Slayer live sehen. Den besten Drummer den ich live erleben durfte war Will Calhoun von Living Colour. So: added my mustard.

Grün für Calhoun, auch mein größtes Schlagzeug-live-Erlebnis.

Calhoun ist schon ein ganz exquisiter Drummer. Kommt halt vom Jazz. Kriegt wahrscheinlich nen Lachflash, wenn er Ulrich hört. Schade, dass Living Colour so wenig machen und sich gerne in kleinen Klubs verkriechen.

Heraus kommt über Internet- und SMS-Voting ziemlich genau jenes Programm, das man schon vor 20 Jahren auf Autopilot spielen konnte.

Wunderts wen? Früher war ja auch alles besser, auch die Musik. :D

Macht der Ulrich live immer noch so viele Fehler wie damals?

Was solls, sind halt nicht die exaktesten Spieler aber immerhin begeistern sie seit 30 Jahren. Mal schaun wo das zZ Ö3 gehypte Gedudel in 30 Jahren sein wird. BTW, Keith Richards spielt falsch und kann ja kaum noch die Gitarre halten und hat schon Backgroundgitarristen und spielt trotzdem noch mit Freuden ...

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