Kurs auf Tokio: Sieben Tote durch Taifun "Neoguri"

10. Juli 2014, 13:47
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Erdrutsch begräbt Zwölfjährigen unter sich - Häuser ohne Strom, Felder unter Wasser

Tokio - Begleitet von schweren Regenstürmen, Erdrutschen und Überschwemmungen hat der Taifun "Neoguri" am Donnerstag die erste der vier Hauptinseln Japans erreicht. Hunderte Häuser auf Kyushu wurden Behördenangaben zufolge unter Schlamm begraben und mehrere hunderttausend Menschen aufgefordert, sich auf Evakuierungen vorzubereiten oder Zuflucht in Schutzräumen zu suchen.

Laut Wetterdienst dürfte "Neoguri" in der Nacht zum Freitag die Hauptinsel Honshu mit der Hauptstadt Tokio und dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima erreichen. Im Laufe des Donnerstags ließ "Neoguri" die Hauptinsel Kyushu hinter sich und zog mit erhöhter Geschwindigkeit weiter in Richtung Honshu, verlor dabei aber an Stärke. Nach Einschätzung des Wetterdienstes wird der Sturm am frühen Freitagmorgen Tokio erreichen. Seine Ausläufer könnten demnach auch das havarierte AKW in der Präfektur Fukushima treffen. Dessen Betreiber trafen nach eigenen Angaben bereits Vorkehrungen, um Überschwemmungen zu verhindern und Kräne auf dem Gelände zu sichern.

foto: reuters/handout
Neoguri hat mittlerweile mehrere Todesopfer gefordert.

In Tokio kündigte sich die Ankunft des Taifuns am Donnerstag bereits mit heftigen Regenschauern und starken Windböen an. Für die Hauptstadtregion mit ihren 35 Millionen Einwohnern galt wie für den gesamten Osten Japans eine Unwetterwarnung.

"Neoguri" hält das Land seit Wochenbeginn in Atem. Mindestens sieben Menschen kamen durch das Unwetter ums Leben, etwa 50 weitere wurden verletzt. Nach Angaben des staatlichen Rundfunks NHK wurden mehr als 500 Häuser in mehreren Präfekturen zerstört. Der TV-Sender zeigte immer wieder Aufnahmen einer gigantischen Schlammlawine in der Stadt Nagiso in der Präfektur Nagano. Ein zwölfjähriger Bub starb, als das Haus seiner Familie unter den Erdmassen begraben wurde.

foto: ap photo/eugene hoshiko
Vorboten des Taifuns in Tokio.

Krisentreffen der Regierung

Fast 200 Flüge wurden am Donnerstag gestrichen, mehrere große Fabriken im Südwesten Japans wegen des Unwetters geschlossen. Bei einem Krisentreffen wollte die Regierung über weitere Maßnahmen beraten. Zwar wird Japan häufig von Taifunen heimgesucht, ein zerstörerischer Wirbelsturm wie "Neoguri" ist zu dieser Jahreszeit aber ungewöhnlich. Er habe sich mit einer Regenfront vermengt, erklärte ein Meteorologe mit Blick auf den sintflutartigen Regen.

Wirbelstürme können über dem warmen Meer entstehen, wenn mehrere Bedingungen zusammenkommen: warmes Wasser von mindesten 26,6 Grad Celsius, genügend Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre und ein tropisches Tief mit kreisenden Winden. (APA, 10.7.2014)

  • Die berechnete Route von "Neoguri"
    grafik: apa

    Die berechnete Route von "Neoguri"

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