Argentiniens Zittersieg und Lust auf Finalrevanche

10. Juli 2014, 00:58
1500 Postings

Argentinien steht im fünften WM-Finale, fordert am Sonntag Deutschland und spielt um den dritten Titel. Die Albiceleste will Revanche für das Endspiel 1990. Im Halbfinale mussten sich die Niederländer nach torlosen 120 Minuten im Elferschießen geschlagen geben

São Paulo – Es begann mit einer Trauerminute: Gemeinsam gedachten die beiden Mannschaften vor Anpfiff in der Arena São Paulo des am Montag verstorbenen Alfredo Di Stéfano. Und die Südamerikaner spielten im Andenken an die in Argentinien geborene Legende von Real Madrid mit Trauerflor.

Der niederländische Trainerfuchs Louis van Gaal, der in der Heimat schon zu "van Geniaal" geadelt wurde, stellte in der Neuauflage des WM-Finales von 1978 überraschend Nigel de Jong in die Startelf. Dabei hatte der Verband schon das WM-Aus für den Mittelfeldspieler wegen dessen Leistenverletzung verkündet. Er sollte sich speziell um Superstar Lionel Messi kümmern.

Argentiniens Alejandro Sabella verzichtete hingegen zunächst auf den wieder genesenen Stürmer Sergio Agüero. Der am Oberschenkel verletzte Ángel Di María fehlte erwartungsgemäß. Die Albiceleste nahm sich aber auch ohne den Offensivspieler von Real Madrid der Spielgestaltung an, wagte sich zaghaft nach vorne. Der niederländische Torhüter Jasper Cillessen war bei einem Freistoß von Messi auf dem Posten (15.). Nach einem Eckball von Ezequiel Lavezzi setzte Ezequiel Garay seinen Flugkopfball in Bedrängnis nur knapp über das Tor (24.).

Oranjes nicht in Fahrt

Die Oranjes kamen in ihrem 750. Länderspiel nicht in Fahrt, Arjen Robben und Robin van Persie konnten sich nicht in Szene setzen. Zu konsequent ließ van Gaal sein Defensivkonzept verfolgen. Zu Beginn der zweiten Hälfte – da war es zwischen Deutschland und Brasilien längst 5:0 gestanden – forcierten die Niederländer vorsichtig ihr Spiel nach vorne. Ein Freistoß von Wesley Sneijder klar übers Tor war aber keine Gefahr für Goalie Sergio Romero (50.).

Das Spiel erlahmte, während es immer heftiger zu regnen begann. Für Aufregung sorgte nur Referee Cüneyt Cakir aus der Türkei, der einen WM-Trend beibehielt und selbst bei hartem Einsteigen kaum gelbe Karten verteilte. Auch Daryl Janmaats Tackling gegen Lucas Biglia blieb ohne Konsequenz.

Die Spieler besannen sich dann doch wieder darauf, dass sie in einem WM-Halbfinale standen. Argentiniens Gonzalo Higuaín traf nach einem Konter im Rutschen aber nur das Außennetz (75.), zudem stand er knapp im Abseits. Für Higuaín kam fünf Minuten später doch noch Agüero. Die größte Chance in der regulären Spielzeit vergab Robben. Der Star von Bayern München zauderte aber im Abschluss (91.).

Mickrige Statistik

Nach mickrigen zwei Torschüssen – beide von Argentinien – ging es in die Verlängerung. Dort sorgte Robben aufseiten der Oranjes aus 25 Metern für die diesbezügliche Premiere, Romero war aber auf dem Posten (99.). Rodrigo Palacio per Kopf und Maxi Rodríguez vergaben für Argentinien die Entscheidung (115., 117.). Es kam, wie es kommen musste.

Romero hält schon den ersten Elfmeter von Ron Vlaar, auch den dritten von Sneijder. Rodriguez besorgt den Endstand – 4:2. Und Argentinien fordert im Finale Deutschland. (krud, DER STANDARD, 11.7.2014)

Fußball-WM, Halbfinale, Mittwoch

Niederlande - Argentinien 0:0 n.V., 2:4 im Elferschießen
Sao Paulo, Arena Corinthians, 63.267 Zuschauer, SR Cakir (TUR)

Elfmeterschießen:
0:0 Vlaar vergibt (gehalten)
0:1 Messi trifft
1:1 Robben trifft
1:2 Garay trifft
1:2 Sneijder vergibt (gehalten)
1:3 Aguero trifft
2:3 Kuyt trifft
2:4 M. Rodriguez trifft

Niederlande: Cillessen - Kuyt, De Vrij, Vlaar, Martins Indi (46. Janmaat), Blind - Wijnaldum, De Jong (62. Clasie), Sneijder - Robben, Van Persie (96. Huntelaar)

Argentinien: Romero - Zabaleta, Demichelis, Garay, Rojo - Perez (81. Palacio), Biglia, Mascherano, Lavezzi (100. Maxi Rodriguez) - Messi, Higuain (82. Aguero)

Gelbe Karten: Martins Indi, Huntelaar bzw. Demichelis

  • Die argentinische Erlösung.
    foto: apa/ap/meissner

    Die argentinische Erlösung.

  • Einer der unglücklichen Elferschützen: Vlaar.
    foto: apa/epa/azubel

    Einer der unglücklichen Elferschützen: Vlaar.

Share if you care.