Irans Atomchef: Medien berichten Unwahrheit über nötige Zentrifugen

9. Juli 2014, 17:09
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Salehi: SWUs nicht mit Anreicherungszentrifugen gleichzusetzen

Teheran/Wien - Der Chef der iranischen Atombehörde (AEOI), Ali Akbar Salehi, hat westliche Medien beschuldigt, "Lügen und Verdrehungen" hinsichtlich der iranischen Forderung zur Zahl der Uran-Anreicherungszentrifugen in die Welt zu setzen. Er bezog sich dabei auch auf die Meldung, wonach der Oberste Geistliche Führer Ayatollah Ali Khamenei angeblich erklärt habe, der Iran brauche 190.000 Zentrifugen.

Salehi dagegen sagte nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur FARS von Mittwoch, der Iran brauche nicht 190.000 Zentrifugen, sondern 190.000 SWUs (Separative Work Units). Dabei handelt es sich um technische Einheiten, die sich auf die sogenannte "Urantrennarbeit" (UTA) beziehen. Diese beschreibt den bei der Urananreicherung für die Trennung von Uranisotopen erforderlichen Aufwand.

Brennstoff für Reaktor

"Wir brauchen fast 190.000 SWUs für einen vereinbarten Zeitraum, das heißt für die nächsten acht Jahre, um das Atomkraftwerk Bushehr mit Brennstoff, versorgen zu können, ebenso den Forschungsreaktor in Teheran und den Schwerwasserreaktor in Arak nach Auslaufen unseres Vertrags mit Russland", erklärte Salehi. "Wir definieren die Urananreicherung nicht auf Grundlage der Zahl der Zentrifugen sondern auf Grundlage der SWUs", so der AEOI-Chef.

Die Zahl der Zentrifugen, die für 190.000 SWUs benötigt werde, hänge von der Art der Zentrifugen ab, erklärte Salehi. Die erste Generation der iranischen IR1-Zentrifugen habe einen nominellen Output von mehr als 3 SWUs, real aber von weniger als 2 SUWs. "Wenn wir die angestrebten 190.000 SWUs mit den IR1 erreichen wollen, dann brauchen wir mehr Zentrifugen. Wenn wir aber die IR4 Zentrifungen der vierten Generation verwenden, dann hätten wir 24 SWUs (pro Zentrifuge, Anm.) und würden weniger als 10.000 Zentrifugen brauchen", erläuterte der iranische Atomchef.

Somit seien die Aufreger um die Zahl der Zentrifugen eine "mutwillige Entstellung der Realität", sagte Salehi. Der Iran habe seine Bedürfnisse auf Grundlage der SWUs und nicht auf jener von Zentrifugen definiert.

Die Zahl der iranischen Gaszentrifugen für die Anreicherung von spaltbarem Uran-235 gehört zu den schwierigsten Kapiteln bei den in Wien laufenden Atomverhandlungen. Die Urananreicherung bildet die Voraussetzung zur Herstellung nuklearen Brennstoffs mit einem Anreicherungsgrad von bis zu fünf Prozent. Doch je mehr Zentrifugen oder andere Trennverfahren vorhanden sind, desto schneller kann Uran-235 theoretisch auf Waffenfähigkeit (rund 90 Prozent) angereichert werden. (APA, 9.7.2014)

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