Krypta am Heldenplatz: Ärger über Umbau

9. Juli 2014, 22:10
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Die Grünen fürchten eine Verzögerung bei der Neugestaltung der Krypta am Wiener Heldenplatz. Die zuständige Historikerin Heidemarie Uhl beruhigt: Das Siegerprojekt des künstlerischen Wettbewerbs soll Anfang 2015 feststehen

Wien – Kranzschleifen und Artefakte wurden entfernt, die Totenbücher, nach Streichung eines SS-Angehörigen, ins Staatsarchiv übersiedelt, eine neue Informationsbroschüre liegt auf – ansonsten warten die Pläne zur Umgestaltung der Krypta am Wiener Burgtor, an der sich ein Streit über Österreichs Gedenkkultur entzündet hatte, weiter auf ihre Umsetzung. Das fürchten zumindest die Grünen.

Laut ursprünglichem Zeitplan sollten die Arbeiten am "Heldendenkmal" schon seit März in Gang sein. Grünen-Abgeordneter Harald Walser fragt nun Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) in einer parlamentarischen Anfrage nach den Gründen für die Verzögerung. Auf der Homepage der Akademie der Wissenschaften sei außerdem ein Zeitplan aufgetaucht, der eine Verzögerung des Projektes schon beinhaltet habe. Nun sei dieser "auf der Webseite nicht mehr aufzufinden".

Heeres-Internetauftritt: "Abwehrsieg"

Kritik übt Walser auch am Internetauftritt des Ministeriums. Auf der Seite der Militärseelsorge steht Folgendes zur Geschichte des Heldenplatzes zu lesen: "Hier war es, wo sich der Ansturm des Islam gegen das Abendland brach; der Abwehrsieg von Wien verwehrte den Osmanen das weitere Vordringen gegen Westen." Erklärt wird die Entstehung der Gedenkstätte mit dem "Wunsch, in gleicher Weise wie die Soldaten der einstigen Armee, auch jene Österreicher zu ehren, die 1938-1945 ihr Leben im Kampfe um ein freies Österreich hingegeben haben“. Walser fordert eine Entfernung dieser Texte, letzteren nennt er "völlig inakzeptabel".

Wissenschafter tagen

Es mag ein Zufall sein, aber Ende dieser Woche tagt der wissenschaftliche Beirat zur Umgestaltung des Denkmals mit mehreren internationalen Wissenschaftern. Im Laufe des Sommers werden die Leitlinien für die Ausschreibung erarbeitet, sagt Heidemarie Uhl, die als Historikerin für das Projekt mitverantwortlich ist. Der Sieger des künstlerischen Wettbewerbs soll Anfang 2015 feststehen.

Zur Kritik an der Heeres-Homepage heißt es im Ministerium: "Bezüglich des Weiheraumes ist auf der Website des Heeres die, auf Fakten basierende, historische Entwicklung des Weiheraumes dargestellt. Er wurde auf Veranlassung der damaligen Regierung 1965 den Österreichern gewidmet, die 1938 bis 1945 ihr Leben im Kampf um ein freies Österreich hingegeben haben." (pm, DER STANDARD, 9.7.2014)

  • Der Gedenkort in  der Krypta:  Die Statue des "toten Soldaten" stammt von Wilhelm Frass, der schon als illegaler Nationalsozialist aktiv war.
    foto: apa/neubauer

    Der Gedenkort in der Krypta:  Die Statue des "toten Soldaten" stammt von Wilhelm Frass, der schon als illegaler Nationalsozialist aktiv war.

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