Wenn es hart hergeht: Aufräumen muss die Frau

10. Juli 2014, 09:59
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Laut einer Studie werden Frauen und Angehörige von Minderheiten häufiger in Chefposten gehoben, wenn es im Unternehmen kriselt

Wien – Als Mary Barra Chefin des Autoriesen General Motors (GM) wurde, stürmte sie eine Männerbastion. Nie zuvor war eine Frau an der Spitze eines Autokonzerns gestanden. Millionen zurückgerufener Autos wegen kaputter Zündschlösser zwingen Barra nun in die Rolle der Krisenmanagerin. Einer US-Studie zufolge könnte ihr Aufstieg nicht nur ihrer zweifellos vorhandenen Qualifikation geschuldet sein. Und nein – es geht jetzt nicht um die Frauenquote.

Laut den US-Forscherinnen Alison Cook und Christy Glass rutschen Frauen und Angehörige von Minderheiten vor allem dann auf Chefposten, wenn Feuer am Dach ist. Dabei gehen die Autorinnen davon aus, dass ihnen andere, "weichere" Wesenszüge zugeschrieben werden. Wesenszüge, die in einer Krise gebraucht werden.

Cook und Glass haben sich dafür Führungswechsel in den 500 größten US-Unternehmen über einen Zeitraum von 15 Jahren angesehen. In der Studie aus dem Jahr 2013 wurde Barras Ernennung zur GM-Chefin also nicht erfasst. Bei den insgesamt 608 Führungswechseln im beobachteten Zeitraum wurden nur in 57 Fällen Frauen oder Angehörige von Minderheiten zum Vorstandschef. Bei einer negativen Eigenkapitalrendite (Return on Equity) dagegen wurden in mehr als der Hälfte der Fälle Frauen oder Minderheiten in den Chefposten befördert.

Retter

Anscheinend traut man ihnen dennoch nicht allzu viel zu. Laut Cook und Glass werden Frauen oder Angehörige von Minderheiten abermals von weißen Männern im Chefsessel ersetzt, wenn sich die Performance des Unternehmens weiter verschlechtert. Die Forscherinnen nennen das den "Retter-Effekt" (Savior-Effect).

Als Mary Barra GM Anfang 2014 übernahm, war von einer Krise jedenfalls noch nichts zu sehen. Der Konzern entging einige Jahre davor gerade noch der Pleite und musste mit Milliarden von der US-Regierung aufgefangen werden. Bei Barras Amtsantritt liefen die Geschäfte gut, GM machte wieder satte Gewinne.

Dann kam 2014, das Jahr der Autorückrufe. 29 Millionen Autos wurden bisher in die Werkstätten zurückbeordert. Kaputte Zündschlösser, Unfälle mit Todesfolge, zwei Anhörungen vor dem US-Kongress – Barra hat alle Hände voll zu tun, General Motors durch diese Krise zu manövrieren. Eine Krise, die das Unternehmen Geld kostet und vor allem am Image kratzt. Unklar ist, ob oder seit wann die Probleme firmenintern schon bekannt waren. Ob Barras Ernennung zur Firmenchefin die Hypothesen der beiden Studienautorinnen belegt, ist nicht restlos zu klären. (Daniela Rom, derStandard.at, 10.7.2014)

  • Mary Barra hat derzeit alle Hände voll zu tun. Ein Rückruf folgt bei General Motors dem anderen. Laut einer Studie werden Frauen und Minderheiten in Firmenkrisen häufiger zum Chef als sonst.
    foto: ap/cliff owen

    Mary Barra hat derzeit alle Hände voll zu tun. Ein Rückruf folgt bei General Motors dem anderen. Laut einer Studie werden Frauen und Minderheiten in Firmenkrisen häufiger zum Chef als sonst.

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