Künstliche Beobachtung

9. Juli 2014, 17:27
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"Invitrospektive": Erste Einzelschau von Luisa Kasalicky in der Galerie nächst St. Stephan

Wien - Man denkt sofort an Reagenzgläser, wenn man "Invitro" hört - oder besser: an einen Vorgang, der künstlich herbeigeführt, gesteuert und kontrolliert wird. Mit dem zweiten Wortteil "-spektive" geht Luisa Kasalicky zwar weg von dem uns geläufigen Kontext; allerdings hat auch sie einen Glassturz an den Anfang ihrer Inszenierung Invitrospektive gesellt.

Das gleichnamige Objekt besteht aus einem gläsernen Kubus auf einem weißen Podest, der als Abstellfläche für eine Vase mit Pflanze dient. Es erinnert an einen Einrichtungsgegenstand und begrüßt die Betrachter, die sich hier noch in einer Art Zwischenzone befinden. Schließlich scheint die "wirkliche" Ausstellung in der Galerie nächst St. Stephan erst hinter den dunkelblauen, den ersten Raum in zwei Hälften teilenden Vorhängen zu beginnen.

Während sich Kasalicky mit den darauf befindlichen Stickereien auf die Strukturen bezieht, die sie 2013 im Lentos an die Wand geschnalzt hat, werden dahinter neue Objekte "zur Aufführung" gebracht: Dazu gehört eine von Hell-dunkel-Kontrasten erzählende Partitur (2014) genauso wie zwei kleinere, abstrakte Gemälde, Zeichnungen und ein von Ornamenten gerahmtes Wandbild. Damit referiert die Künstlerin - ähnlich wie mit der floralen Stuckatur gleich daneben - auf die Historie von Dekors.

In der betont theatralen Inszenierung (deren neue Arbeiten an frühere Präsentationen anschließen) geht es der Künstlerin, die Malerei und Grafik studiert hat, einmal mehr um die Verräumlichung des Tafelbildes, aber auch um die Sehnsüchte und Assoziationen, die man mit den Materialien in Verbindung bringt: mit den spitzen Messingstäben zum Beispiel, aber auch den gebrochenen Reliefs oder den Metallketten, die im Video Intro: desiderio sehr bedeutungsschwer eingesetzt sind.

Aufgenommen wurden die filmischen Bilder in der ebenso Intro: desiderio benannten Ausstellung in Linz, wo die installierten Objekte im Licht rotierender Scheinwerfer immer nur kurz wahrnehmbar waren. Die Videofassung folgt einer ähnlichen Logik und wurde von dem Künstler und Musiker Siegfried Zaworka vertont. Der raue Sound unterstützt die bewegten Bilder, mit denen Kasalicky den "Blick" der Scheinwerfer eingefangen hat. Die Installation wird so noch einmal sehr atmosphärisch erfahrbar. (Christa Benzer, DER STANDARD, 10.7.2014)

10.7., 19 Uhr: Luisa Kasalicky im Gespräch mit Jakob Neulinger

Bis 9. 8., Galerie nächst St. Stephan

Grünangergasse 1, 1010 Wien

www.schwarzwaelder.at

  • Mit Vorhängen hat Luisa Kasalicky einen Raum der Galerie nächst St. Stephan in zwei Hälften geteilt.
    foto: markus wörgötter

    Mit Vorhängen hat Luisa Kasalicky einen Raum der Galerie nächst St. Stephan in zwei Hälften geteilt.

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