Pentagon-Drittmittel: ÖH und Uni-Rektoren plädieren für Transparenz

9. Juli 2014, 13:59
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Universitätenkonferenz: Unis müssten "Rolle und Motive der Auftraggeber" prüfen - ÖH sieht Beleg für Unterfinanzierung

Wien - Universitätenkonferenz (uniko) und HochschülerInnenschaft (ÖH) haben am Mittwoch für "größtmögliche Transparenz" bei Drittmitteln plädiert. Jede wissenschaftliche Einrichtung sei aufgerufen, "Rolle und Motive der Auftraggeber bei nicht-staatlich finanzierten Forschungsprojekten in ethischer Hinsicht zu prüfen", so die uniko nach Berichten über Uni-Forschungsfinanzierung durch das Pentagon.

Ethische Verantwortung

Forscher müssten sich dieser ethischen Verantwortung tagtäglich stellen. Größtmögliche Transparenz bezüglich der Mittel sei daher auch selbstverständlich, so uniko-Präsident Heinrich Schmidinger in einer Aussendung. Gleichzeitig wehrte er sich dagegen, die Unis einerseits zur Einwerbung von immer mehr Drittmitteln aufzufordern und sie auf der anderen Seite "bei Gelegenheit dafür an den Pranger" zu stellen. Er betonte, dass nur durch ausreichende öffentlich-staatliche Finanzierung Autonomie und Unabhängigkeit der Unis garantiert seien.

Drittmittel 

Die ÖH sieht die Einwerbung von Forschungsgeldern des Pentagon als Beleg für "die eklatante Unterfinanzierung der österreichischen Wissenschaft und Forschung", so ÖH-Generalsekretärin Julia Freidl (Verband Sozialistischer StudentInnen, VSStÖ). Die ÖH fordert Transparenz und Kontrolle: Die Unis sollen die Drittmittelgeber bekannt geben müssen. Außerdem wünscht sich die ÖH eine Debatte über die Einrichtung von Kommissionen, die Forschungsbestrebungen beispielsweise auf eine mögliche militärische Verwendung prüfen.

Neun Millionen vom US-Verteidigungsministerium

Derzeit können die Unis Drittmittel innerhalb ihres Wirkungsbereichs einwerben, darüber hinaus gibt es keine generelle Regelung. Die einzelnen Unis entscheiden autonom, welche Projekte sie annehmen. Wie die "Wiener Zeitung" berichtet hat, haben Unis und die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) seit 2009 fast neun Millionen Euro Drittmittel vom US-Verteidigungsministerium erhalten, wobei das Gros mit 5,4 Mio. an ein ÖAW-Forschungsprojekt zu Brustkrebs geht. Diese Summe ist im Vergleich zu den gesamten Drittmitteln allerdings gering: Laut Wissenschaftsministerium haben die Unis allein 2013 rund 600 Mio. Euro für Forschungsprojekte eingeworben, die ÖAW 28,4 Mio. im Jahr 2012. (APA, 9.7.2014)

  • Österreichische Unis und  Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) seit 2009 fast neun Millionen Euro Drittmittel vom US-Verteidigungsministerium erhalten.
    foto: reuters

    Österreichische Unis und  Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) seit 2009 fast neun Millionen Euro Drittmittel vom US-Verteidigungsministerium erhalten.

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