Geschichten über Männer

Blog10. Juli 2014, 17:00
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"Frauensachen" sind nicht unbedingt Frauensache – zum Streit um das Magazin "Brandeins"

Die Brandeins ist eine der wenigen Zeitschriften, die ich noch abonniert habe, und zwar, weil ich dort relativ viel Neues und Interessantes erfahre. Dass ich dort hauptsächlich Geschichten über Männer lese, daran habe ich mich schon gewöhnt. Ich bedaure es, aber was soll man machen, man kann ja nicht immer nur meckern, selbst als Feministin nicht.

Jetzt haben aber andere gemeckert – nachlesen könnt Ihr das bei Felix Schwenzel und bei Anne Schüßler – und Gabriele Fischer, die Chefredakteurin, hat dazu Stellung bezogen.

Irgendwas mit Frauen

Nun könnte man sagen, gähn, immer dieselben Argumente. Aber ich habe noch eine andere Vermutung. Denn ich kann die Haltung von Gabriele Fischer recht gut nachvollziehen, und wir balancieren doch alle irgendwie auf diesem Grat entlang, entweder zu viel "Frauendings" zu machen und dann in der "allgemeinen" Debatte in die Frauenecke geschoben zu werden, oder uns in der "allgemeinen" Debatte einzumischen und uns dafür der männlichen Norm ein Stück weit anzupassen, um überhaupt ernst genommen zu werden. Noch immer gilt in vielen Universitätsfächern die Maxime: Wenn du schon deine Diss über "irgendwas mit Frauen" geschrieben hast, dann auf keinen Fall auch noch die Habil, wenn du jemals eine Professur (in einem anderen Feld als Gender Studies) haben willst.

Gabriele Fischer stellt in ihrem Statement heraus, wie viele Frauen bei Brandeins in verantwortlichen Positionen sind, nicht nur sie als Chefredakteurin, sondern auch viele andere. Und ich bin überzeugt davon, dass dies ein entscheidender Grund dafür ist, warum die Zeitschrift so gut ist, wie sie ist, und warum ich sie immer noch lese und interessanter finde als vieles andere.

Unterschwelliger Anpassungsgestus

Aber meine Vermutung ist auch schon lange, dass ein hoher Frauenanteil in Führungskreisen genau nicht dazu führt, dass Frauen und das, was sie tun, in den Fokus rücken, dass Frauen und ihre Initiativen und Perspektiven mehr wahrgenommen werden als anderswo. Sondern dass vielleicht gerade im Gegenteil diese Frauen aus einem vermutlich nicht wirklich bewussten, sondern unterschwelligen Anpassungsgestus heraus vermeiden möchten, zu sehr "Frauenkram" zu machen.

Diese Vermutung habe ich, seit ich vor einigen Jahren in der taz von einer Studie las, bei der herauskam, dass Theaterhäuser in den USA von Frauen eingereichte Stücke weniger oft berücksichtigen als von Männern eingereichte Stücke, und zwar vor allem dann, wenn sie von Frauen geleitet werden.

Peinlichkeits-Sensorium

Dass jedenfalls Frauen in Führungspositionen automatisch mehr Aktivitäten anderer Frauen fördern als Männer in Führungspositionen - was ja ein wichtiges Argument bei Quotenforderungen ist – halte ich für mehr als fraglich. Zumindest in bestimmten Fällen kann es auch genau andersrum sein: Sei es eben, dass die Führungsfrauen ihre "Neutralität" unter Beweis zu stellen versuchen, indem sie garantiert keine Frauen bevorzugen, oder sei es, dass ein Unternehmen, eine Organisation, eine Redaktion mit vielen Frauen in der Führungsriege denkt, es sei gegen Männerdominanz ja sowieso gefeit und sich deshalb um das Thema auch nicht gesondert bemüht. Wohingegen in einem Unternehmen mit rein männlicher Führungsspitze inzwischen manchmal so etwas wie ein Peinlichkeits-Sensorium vorhanden ist, das dazu führt, dass man sich gezielt darum bemüht, die Perspektiven von Frauen einzubeziehen.

Wie auch immer, das Thema bleibt spannend, und wenn es stimmt, dass Gabriele Fischer durch diesen Konflikt jetzt für das Thema sensibilisiert wurde, bin ich schon gespannt auf die nächsten Hefte. (Antje Schrupp, dieStandard.at, 10.7.2014)

Antje Schrupp stellt dieStandard.at in regelmäßigen Abständen Beiträge ihres Blogs zur Veröffentlichung zur Verfügung.

  • Wie wichtig ist ein hoher Frauenanteil in Führungspositionen?
    foto: christian fischer

    Wie wichtig ist ein hoher Frauenanteil in Führungspositionen?

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