Das Robben-Geheimnis

Kolumne8. Juli 2014, 18:48
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Die Geburt eines Kalbes mit mehreren Köpfen, diverse Finsternisse (Mond, Sonne), der nächtliche Ruf einer Eule, das plötzliche Welken von Pflanzen - an derlei Vorboten ist die Menschheit seit Jahrtausenden gewöhnt. Zumeist verheißen sie Unglück. Doch was, bitte, soll der nun verbürgte Fund eines jungen Seehundes mit orangefarbenem Kopf an der niederländischen Nordseeküste im Nordosten der Provinz Groningen bedeuten? Eine kleine, leicht erklär- und sanierbare Schlamperei bei einem küstennahen Industriebetrieb? Oder gar die Folge eines besonders krassen Falls von Verklappung auf hoher See?

Fehlgefärbte Seehunde seien keine Seltenheit, beruhigte der Sprecher eines Aufzuchtzentrums für verirrte Seehunde der Boulevard-Themen bekanntermaßen eher abgeneigten Tageszeitung "De Telegraaf". Und dass der Findling in Hinkunft Robben heißen soll, ist jetzt, denkt man an dessen familiäre Herkunft und sein Aussehen, auch keine Sensation. Eher gewagt ist die These, dass das plötzliche Auftauchen des reichlich exzentrischen Heulers ein gutes Zeichen für die niederländische Nationalmannschaft sein könnte. Gar die übernatürliche Garantie, dass es für die Teilnahme der Elftal am WM-Finale in Brasilien reichen wird. Bedürfe es solcher Vorzeichen, hätten die Argentinier sicher schon die Geburt eines Jungstiers mit einer Nummer-zehn-förmigen Stirnblässe vermeldet.

Letzte Sicherheit kann nur die ebenfalls schon Jahrtausende alte und seit jeher äußerst bewährte Eingeweideschau bieten. Besonders die Leber gilt als äußerst aussagekräftig. Löcher im zentralen Stoffwechselorgan sind, kein Wunder, ein eher schlechtes Zeichen. Ist es aber offensichtlich gesund - Hurra!

Aber wer, bitte, würde Robben nur für den Fußball das antun wollen? (Sigi Lützow, DER STANDARD, 9.7.2014)

  • Das ist zwar nicht die Robbe Robben, aber immerhin ein Fotoshop-Viech.
    foto: apa/dpa

    Das ist zwar nicht die Robbe Robben, aber immerhin ein Fotoshop-Viech.

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