Südsudan: Enttäuschte Hoffnungen drei Jahre nach der Unabhängigkeit

9. Juli 2014, 05:30
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Wenig Zuversicht für einen baldigen Frieden in dem jungen Staat

Juba/Wien - Vor drei Jahren überwog der Optimismus, die Hoffnung auf Besserung nach Jahren des Krieges und der Vernachlässigung durch den Norden; auf Wohlstand durch neue Öleinnahmen. NGOs eröffneten Büros in der Hauptstadt Juba, TV-Sender brachten Berichte über Schüler, die die Hymne des neuen Staats Südsudan übten, der am 9. Juli 2011 unabhängig wurde. Doch die in der ersten Strophe ausgedrückte Zuversicht, dass die Zukunft dem Land "Frieden und Harmonie" bringen möge, währte kurz.

Stattdessen gab es immer wieder Kämpfe - sowohl mit dem Nachbarn im Norden als auch zwischen den Bevölkerungsgruppen. Seit mehr als sechs Monaten herrscht ein Bürgerkrieg, der zunehmend Züge eines ethnischen Konfliktes trägt - mit Kindersoldaten, Exekutionen in Krankenhäusern und Hass-Radiobotschaften. Rund 10.000 Menschen sind an den Kämpfen oder deren Folgen gestorben, fast 100.000 leben im relativen Schutz der Uno-Stützpunkte, über eine Million der rund zehn Millionen Einwohner ist auf der Flucht. Für die kommenden Wochen warnt die Uno vor einer Hungerkatastrophe.

Zwar schlossen Präsident Salva Kiir, ein Angehöriger der Volksgruppe der Dinka, und sein Konkurrent und ehemaliger Vize Riek Machar, ein Angehöriger der Nuer, Anfang Juni ein Friedensabkommen, das bis 10. August den Weg zu einer gemeinsamen Übergangsregierung führen soll. Ob dies wirklich zu einer Mäßigung führt, ist aber unklar - drei ähnliche Abkommen wurden im Laufe dieses Jahres schon gebrochen.

Zwielichtige Rollen

Doch auch wenn es schließlich eine Übergangsregierung geben sollte: Sie stünde an der Spitze eines traumatisierten Landes mit zerstrittenen Politikern, die vor allem im Kampf, nicht aber in der zivilen Führung eines Staates erfahren sind, mit einem eklatanten Mangel an Infrastruktur und mit Ölindustrie und Hilfsgeldern als fast alleinigen Einnahmequellen.

Die Regierung von Präsident Kiir hat etwa immer wieder "Einmischung" der rund 7500 Uno-Soldaten (Unmiss) im Land kritisiert, besonders als die Mission nach dem Ausbruch der Kämpfe zur Besonnenheit aufrief. Die Unmiss wurde trotzdem Ende Mai auf 12.500 Soldaten aufgestockt und mit einem Mandat zum Schutz von Bevölkerung und Infrastruktur ausgestattet. Auch daran gibt es Kritik. China etwa will zwar fast tausend Blauhelme stellen, fordert aber, diese in den Regionen Unity und Upper Nile zu stationieren, wo Peking Milliarden Euro in die Ölförderung investiert hat.

Auch die Rolle der NGOs ist umstritten. Akute Hilfsprojekte, heißt es, seien zwar dringend nötig, genauso wie Unterstützung beim Aufbau der Institutionen. Kehrseite seien aber ein Zwang zu westlichen Politikmodellen und neue Abhängigkeiten.

Ob die Konfliktparteien an einer echten Beilegung des Konfliktes interessiert sind, scheint unsicher. Kiir hat den Bürgerkrieg genutzt, um gegen Zivilgesellschaft und Medien vorzugehen. Für 2015 geplante Wahlen hat er im Mai auf 2017 verschoben. Machar konnte mit seinem Kampf gegen die Regierung ebenfalls an Profil gewinnen, nicht nur in seiner Volksgruppe der Nuer. Viele zivilgesellschaftliche Gruppen verurteilen zwar die Gewaltakte der Opposition, teilen aber sein Ziel einer Dezentralisierung des Landes. Der Sudan soll seine Rebellion noch immer mit Waffen unterstützen. (Manuel Escher, DER STANDARD, 9.7.2014)

  • Südsudans Präsident Salva Kiir bei Verhandlungen in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba. Trotz mehrerer Waffenstillstände im laufenden Jahr sind die Chancen auf dauerhaften Frieden blass.
    foto: reuters/tiksa negeri

    Südsudans Präsident Salva Kiir bei Verhandlungen in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba. Trotz mehrerer Waffenstillstände im laufenden Jahr sind die Chancen auf dauerhaften Frieden blass.

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