Burkaverbot: Diskussion mit Themenverfehlung

Leserkommentar8. Juli 2014, 16:55
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Burka oder nicht Burka ist keine Frage des Intellekts, sondern eine Glaubensfrage

Zurzeit wird wieder einmal sehr leidenschaftlich über das Verbot von Burkas – gemeint ist höchst wahrscheinlich das Kopftuch – diskutiert. Die Frage sollt jedoch die nach Religion im öffentlichen Raum sein.

Interessant ist der aktuelle Vorstoß von Herrn Efgani Dönmez: "Wenn jemand mit Burka in der Öffentlichkeit auftrete, "stellt er sich ins Abseits". Und: "Warum wollen wir Menschen unterstützen, die sich ins Abseits stellen", meint Dönmez, der sich schon früher gegen die Ganzkörperverschleierung ausgesprochen hat.

Denke ich diesen Gedanken zu Ende, komme ich zu einem interessanten Schluss. All jene Menschen, die sich nicht dem allgemein üblichen Aussehen anpassen, verlieren damit das Recht auf Unterstützung durch den Staat. Skinheads, Punker, Grufties, Transvestiten, Skater, Trachtenträgerinnen, Anzugliebhaber… die Liste lässt sich beliebig lange fortsetzen. Irgendjemand definiert also eine "Aussehensnorm“ und wer dagegen verstößt wird aus der Gesellschaft entfernt. So einfach ist das.

Erweitert man diesen Gedanken noch um Gesinnungs- oder Religionsfragen, kommt man sehr schnell zu einer Regierungsform, die in den 1930er Jahren des 20. Jahrhunderts in Europa weit verbreitet war. Kurz gesagt, eine Menge Alt-/Jung-Nazis werden sich darüber ärgern, dass ihnen ein Grüner die Idee geklaut hat.

Es geht um religiös begründete Vorschriften

Burka oder nicht Burka ist keine Frage des Intellekts, sondern eine Glaubensfrage. In christlich geprägten Ländern treffen Sie beim Betreten von Kirchen auf die gleichen Vorschriften. Kopf bedecken, keine nackten Schultern und kurze Röcke bei Frauen (wie im Islam). Ähnliches gibt es auch im jüdischen Glauben.

Mit diesen Vorschriften habe ich kein Problem, denn sie sind nur Vorschriften für das Betreten eines Vereinslokals. Betrete ich es nicht, muss ich mich auch nicht den Bekleidungsvorschriften beugen. Gleiches gilt ja auch für Gaststätten, die man ohne Krawatte nicht betreten darf. Wenn ich nicht will, muss ich nicht.

Religiöse Vorschriften haben im öffentlichen Raum nichts zu suchen

Anders verhält es sich für mich, wenn diese Vorschriften universell gelten sollen. Dann stehen sie massiv im Widerspruch zu einer laizistischen Staatsform. Staat und Religion gehören strikt getrennt. Wohin die Vermischung von Religion und Staat führt hat sich im Laufe der Geschichte nur allzu deutlich gezeigt. Einschränkung der persönlichen Freiheit, Geschlechterdiskriminierung und Verfolgung von Andersgläubigen. Krieg inklusive.

Verbannung aller Religiösen Symbole wäre konsequent

Konsequent ist daher nur die Verbannung aller religiösen Symbole aus dem öffentlichen Raum. In Schulen, Gerichten, Universitäten und ähnlichen Institutionen haben religiöse Symbole bzw. Verbote aus religiösen Gründen nichts verloren. Die Basis unseres modernen Staatswesens ist die auf der Aufklärung basierende Rechtsstaatlichkeit, die strikt von (Aber-)Glauben zu trennen ist. Dabei soll es auch bleiben. (Leserkommentar, Thomas Karasek, derStandard.at, 8.7.2014)

Thomas Karasek arbeitet in Graz für die Steiermärkische Landesregierung.

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