Fast hundert Tote bei ethnischer Gewalt in Uganda

8. Juli 2014, 18:31
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 Armee geht gegen Kämpfer an Grenze zum Kongo vor

Kampala - Bei Gefechten mit bewaffneten Stammeskämpfern im Westen Ugandas sind laut Armee seit dem Wochenende mindestens 96 Menschen getötet worden. Seit Einsatzbeginn habe die Armee 75 "Angreifer" getötet, sagte der lokale Armeesprecher Ninsiima Rwemijuma am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Mindestens 21 Menschen seien in Gebieten nahe der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo ums Leben gekommen.

Unter den 21 Opfern, die in den Regionen Kasese und Bundibugyo in der Nähe der Rwenzori-Berge an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo getötet wurden, befänden sich fünf Soldaten, fünf Polizisten und elf Zivilisten. Da die Kämpfe andauerten, müsse mit weiteren Opfern gerechnet werden, sagte der Sprecher. 80 Kämpfer seien festgenommen worden. Demnach gab es ursprünglich 300 Kämpfer, die aufgeteilt in mehreren kleineren Gruppen Kasernen, Polizeiwachen, Banken und die Häuser von Beamten angriffen.

Festnahmen

In einem Bericht der "Daily Monitor" war zuvor bereits die Rede von 125 Verdächtigen, die mit den Attacken in Zusammenhang stehen könnten, und deshalb festgenommen wurden. Nach Ansicht der Behörden könnte es sich laut der Polizeisprecherin Polly Namaye um einen Disput zwischen verschiedenen Volksgruppen handeln, wie das Blatt zitierte. Allerdings werde auch nicht ausgeschlossen, dass eine islamistische Rebellengruppe, die von der Demokratischen Republik Kongo aus operiert, für die Gewalt verantwortlich ist. Die von den Gefechten betroffenen Regionen liegen alle an der Grenze zu dem Nachbarland.

Mehrere Lokalpolitiker sollen laut Namaye verhört werden. "Unsere Ermittlungen deuten auch auf Politiker aus der Gegend und auf einen Hexendoktor aus dem Kongo, die bei den Angriffen geholfen haben sollen", sagte die Sprecherin der Zeitung. Zahlreiche Bewohner waren aus Angst vor weiterer Gewalt auf der Flucht.

Einem weiteren Polizeisprecher zufolge, sei der Hintergrund der Kämpfe langjährige Landstreitigkeiten zwischen den Volksgruppen der Bakonzo und der regionalen Minderheit der Basogora. Bei den Bakonzo gebe es Widerstand dagegen, dass die Gebiete der Basogora als eigenständige Königreiche in dem von den Bakonzo dominierten größeren "Königreich Rwenzori" anerkannt werden. Ohne die Intervention der Armee hätte die "völlige Auslöschung" der Minderheit gedroht, sagte der Sprecher. Die Sicherheitskräfte seien deshalb angegriffen worden, weil sie die Kultur und die Rechte der Minderheit anerkennen und verteidigen würden.

Der ugandische Präsident Yoweri Museveni kündigte am Dienstag an, die Beteiligten an diesem "kriminellen Plan" zu bestrafen. Der Staatschef kritisierte, es gebe einige Gruppen, die gezielt die Spannungen zwischen den Stämmen anheizten und so täten, "als ob das Einzige, was zählt, gewisse Stämme seien". Polizei und Armee bestritten, dass die Kämpfe etwas mit der islamistischen Rebellengruppe ADF zu tun hätten, die in der Region aktiv ist.  (APA, 8.7.2014)

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