Van der Bellen will ausländische Absolventen in Österreich halten

8. Juli 2014, 16:15
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Der Wiener Uni-Beauftragte fordert Änderungen bei der Rot-Weiß-Rot-Karte

Wien - Ausländische Studierende auch nach dem Abschluss in Österreich halten - das soll laut Alexander Van der Bellen, dem Universitätsbeauftragten der Stadt Wien, in Österreich forciert werden. Ihn ärgert die Diskussion um die Rot-Weiß-Rot-Karte. Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass drei Jahre nach der Einführung die Erwartungen nicht erfüllt werden. Im Vorjahr wurden 1177 Bewilligungen für Zuwanderer erteilt, die entweder besonders qualifiziert oder in Mängelberufen einsetzbar sind. Bei der Einführung war man von 8000 Personen ausgegangen.

18 Monate auf Jobsuche

Laut Van der Bellen hakt es an zwei Punkten: Ein Bachelor werde nicht als Abschluss anerkannt, und Absolventen von Master- oder PhD-Studien müssen innerhalb von sechs Monaten einen gut bezahlten Job finden. "Hier werden kontraproduktive Hürden aufgebaut", sagte Van der Bellen, der dem für die Rot-Weiß-Rot-Karte zuständigen Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) eine Blockade-Haltung vorwirft. Man dürfe Absolventen, die im Land bleiben wollen, keine Schwierigkeiten machen. Die Frist für die Jobsuche müsse auf 18 Monate verlängert werden.

Eine vom Zentrum für Wirtschafts- und Innovationsforschung der Joanneum Research Forschungsgesellschaft im Auftrag von Van der Bellen erstellte Studie sieht einen drohenden Attraktivitätsverlust der Wiener Unis. Im Vergleich zu anderen Städten setze Wien zu wenig Maßnahmen, um Talente nicht nur in Wien zu halten, sondern auch gezielt hierher zu holen. Verglichen wurde Wien mit Zürich, Amsterdam, München und Kopenhagen, die sich alle bemühen, internationale Studenten an ihre Unis zu locken.

Stadt Wien gefordert

In der Verantwortung sieht Van der Bellen auch die Stadt. "Ich würde mir wünschen, dass die Stadt mit einem Gesamtbudget von zwölf Millionen Euro mehr für diese Personen tut." Der grüne Regierungspartner solle mit dem Sozialministerium verhandeln: "Es ist kein ausreichender Grund, zu sagen, es sei Bundeskompetenz."

Für "völlig ausgeschlossen" hält Van der Bellen, dass die versprochene Aufstockung des Uni-Budgets auf zwei Prozent des BIP kommt. Heinz Engl, Rektor der Uni Wien, hatte sich im Standard-Interview optimistisch gezeigt. Die Unterfinanzierung der Unis bleibt weiterhin ein Problem, sagt Van der Bellen. (rwh, DER STANDARD, 9.7.2014)

  • Man dürfe Absolventen, die im Land bleiben wollen, keine Schwierigkeiten machen, sagt der ehemalige Grünen-Chef.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Man dürfe Absolventen, die im Land bleiben wollen, keine Schwierigkeiten machen, sagt der ehemalige Grünen-Chef.

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