Innovation der Saison 

11. Juli 2014, 14:35
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Wasserstoff, gewonnen aus Windstrom, bindet CO2 und treibt klimaneutral Gasautos

Vor fast genau einem Jahr eröffnete Audi seine E-Gas-Anlage in Werlte. Werlte ist ein Ort in Niedersachsen, wo meistens ziemlich der Wind weht, eine gute Voraussetzung zur Energiegewinnung. Weil nämlich Werlte nicht weit entfernt vom Atlantik liegt, das bedeutet aber auch gleichzeitig am Rande Europas, mitunter sehr weit weg von potenziellen Verbrauchern.

Und damit sind wir eigentlich schon mitten in der technischen Erklärung. Aus Windkraft macht man Strom, aber der ist nicht immer erwünscht, weil der erzeugte Strom immer in Balance mit dem verbrauchten sein muss. Was also mit dem Strom machen, wenn ihn gerade niemand haben kann? Auf der anderen Seite verlangt der über mehr als ein Jahrhundert hochentwickelte Verbrennungsmotor nach einem Kraftstoff, der Wasserstoff, aber auch Kohlenwasserstoffe enthält, denn dann erst wird eine Energiedichte erreicht, die gewohnte Reichweiten ermöglicht.

Nicht ganz einfach, aber möglich

Schauplatzwechsel: Bei der Verbrennung fossiler Energie entsteht Kohlendioxid, das den Klimawandel anheizt. So ergibt sich folgende Überlegung: Erzeugen wir doch aus dem Strom durch Elektrolyse Wasserstoff und verheiraten diesen mit dem CO2 aus der Verbrennung fossiler Energie. Dann ist zumindest der nächste Schritt, die Verbrennung des daraus gewonnenen Kraftstoffs, CO2-neutral.

Das ist nicht ganz einfach, aber möglich. Die chemischen Formeln dafür sind in ihrer Komplexität überschaubar: Zuerst wird bei der Elektrolyse mit dem Strom aus Windrädern Wasserstoff gewonnen. Dann wird in einer Methanisierungsanlage der Wasserstoff mit dem CO2 aus einer Indus trieanlage zusammengeführt, wobei CH4 und Sauerstoff (O2) entstehen. CH4 ist die Formel von Methan, also jenem Stoff, aus dem auch Erdgas besteht.

Das ist in jedem Fall um vieles intelligenter als CO2 in alten Gaslagerstätten zu bunkern, wo es ohnehin irgendwann wieder auskommt. So kann man dieses Methan problemlos dem herkömmlichen Erdgas aus fossilen Quellen beimischen. Aber Methan hat ja genauso wie der Strom kein Mascherl, könnte man an dieser Stelle sagen. Das heißt, der Autofahrer weiß ja gar nicht, aus welchen Quellen das getankte Erdgas kommt. Das ist aber im Grunde egal, wichtig ist, dass ein möglichst hoher Anteil an regenerativ erzeugtem Erdgas ins Netz strömt. So können Besitzer eines Audi A3 Sportback g-tron in Deutschland über eine Tankkarte genau jene Menge Erdgas tanken, die in Form von E-Gas eingespeist wurde oder wird.

Im Grunde klimaneutral

Das Fahren mit E-Gas ist im Grunde klimaneutral, aber natürlich nicht ganz. Denn beim Bau und Betrieb der E-Gas-Anlage und der Windräder entsteht auch CO2, aber umgerechnet auf den Fahrbetrieb entspricht das etwa 20 Gramm CO2 pro Kilometer. Das ist besser als jedes Elektroauto, bei dessen Herstellung auch CO2 entsteht.

Neben der Produktion von synthetischem Methan aus Wasserstoff und Kohlendioxid betreibt Audi mit dem Partnerunternehmen Joule in Hobbs, New Mexico, USA, auch Forschungsanlagen zur Herstellung von synthetischem Benzin und Diesel, wo mithilfe von Mikroorganismen aus Abwasser flüssige Kraftstoffe von hoher Reinheit gewonnen werden. Neben der E-Mobilität ist die Entwicklung CO2-neutraler flüssiger und gasförmiger Energieträger also noch immer ein wichtiges Thema – vielleicht auch zur Rettung des bewährten und preisgünstigen Verbrennungsmotors. (Rudolf Skarics, DER STANDARD, 12.7.2014)

  • Wer Wind sät, wird E-Gas ernten: Mit diesem klimaneutralen Konzept hat Audi das Interesse der ganzen Branche geweckt.
    foto: audi

    Wer Wind sät, wird E-Gas ernten: Mit diesem klimaneutralen Konzept hat Audi das Interesse der ganzen Branche geweckt.

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