Octavia G-Tec: Skodas Rindermilchschnitte

11. Juli 2014, 18:01
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Noch ist es Zukunftsmusik, dass Erdgasautos wie der Skoda Octavia G-Tec in großer Masse mit Biogas schnittig über die Autobahn fahren. Aber im Kleinen funktioniert es bereits

Erdgas hat im Vergleich zu Benzin und Diesel zwei entscheidende Vorteile: Es verbrennt sauberer und ist zudem deutlich günstiger. Noch ist das in der automobilen Bevölkerung nicht ganz angekommen, zeigt ein Blick in die Zulassungsstatistik. Nicht einmal 650 Erdgas-Autos wurden im Jahr 2013 in Österreich mit einer Nummerntafel versehen.

Trotzdem setzt der Marktführer, der VW-Konzern, nun einen weiteren Schritt und bringt mit dem Skoda Octavia G-Tec das erste Auto im A-Segment mit Erdgas-Antrieb. Unter der Haube arbeitet der 1,4 TSI mit 110 PS und einem Drehmoment von 200 Nm. Es ist der Erdgas-Motor, den wir schon vom VW Golf TGI und dem Seat Leon TGI kennen.

Keine Angst vor dem Stillstand

Derzeit gibt es in Österreich über 200 Erdgas-Tankstellen. Das bedeutet, übers Land spannt sich ein dichtes, aber leider doch nicht lückenloses Netz. Angst vor dem Stillstand brauchen Erdgas-Fahrer aber dennoch nicht zu haben. Denn neben dem 15 Kilogramm fassenden CNG-Tank, der in der Reserverad-Mulde untergebracht ist, hat der Octavia G-Tec auch noch einen 50 Liter fassenden Benzintank.

Der Motor holt sich automatisch, was er gerade braucht. Das ist in erster Linie Erdgas – nur bei Temperaturen unter minus zehn Grad startet der TSI mit Benzin. Ist er auf Temperatur, schaltet er sich auf Erdgas-Betrieb um. Und natürlich: Sollte der Erdgastank leer sein sollte, holt sich der bivalent ausgelegte Turbomotor ebenfalls den Sprit. Das funktioniert vollautomatisch und vom Lenker unbemerkt.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Die enorme Reichweite von über 1300 Kilometer, wobei der Skoda Octavia G-Tec allein mit der Erdgas-Füllung rund 400 Kilometer weit kommt. Mit einem Verbrauch von 3,5 Kilogramm Erdgas pro hundert Kilometer lässt sich der Octavia rund um die Hälfte günstiger betreiben, als es mit Benzin oder Diesel möglich wäre. Das Erdgas-Tanken funktioniert ebenso unkompliziert wie beim Sprit, auch wenn hierbei das CNG mit etwa 200 Bar in den Tank gepresst wird.

Fehlender Platz, höherer Preis

Die Nachteile sind schnell aufgezählt. Da ist zum einen der etwas kleinere Kofferraum durch den Erdgas-Tank – mit bis zu 1450 Liter fasst der CNG-Octavia bei umgelegter Rücksitzbank 290 Liter weniger als im normalen Octavia –, dann der fehlende Platz für das Reserverad, das höhere Fahrzeuggewicht und der höhere Preis. Bei 22.570 Euro beginnt die Preisliste für die Limousine, bei 23.480 Euro jene für den Kombi.

Wo man keine Abstriche machen muss, ist bei der Fahrt. In unter elf Sekunden beschleunigt der Erdgas-Octavia aus dem Stand auf 100 km/h und erreicht seine Spitzengeschwindigkeit bei 195 km/h. Der raue Lauf, mit dem sich die ersten Erdgas-Antriebe keine Freunde machten, den gibt es nicht mehr. Der G-Tec schnurrt vielmehr – nicht nur im Benzin-, sondern auch im CNG-Betrieb. Nur an einem kleinen grünen Lämpchen im Cockpit erkennt man, mit welchem Treibstoff der Skoda gerade fährt. Im Hintergrund arbeiten ganz geheim Zündkerzen mit angepasstem Wärmewert sowie eine adaptierte Steuereinheit.

Umweltaspekt

Alltagstauglichkeit und Sparsamkeit hat Skoda mit dem alternativen Antrieb schon im Vorjahr bewiesen, als sie den Spritsparmeister Gerhard Plattner mit dem Skoda Citigo CNG in fünf Tagen von Italien nach Schweden fahren ließen. Für die Strecke von über 2600 Kilometer brauchte er im Schnitt 2,39 Kilogramm Erdgas pro 100 Kilometer und kam damit am Ziel auf Kraftstoffkosten von 81,24 Euro.

Doch der finanzielle Vorteil ist nur einer der Gründe, warum jemand zum Erdgas-Antrieb greift. Bei einem CO2-Ausstoß von unter 100 Gramm pro Kilometer zählt der Umweltaspekt ebenso. „Brückentechnologie“ ist dabei ein gerne bemühtes Schlagwort. In Wahrheit kann der Antrieb mit komprimiertem Erdgas, kurz CNG, heute schon vollständig nachhaltig sein, wenn man statt Erdgas mit Biogas fährt.

Eine Versuchsanlage in den Niederlanden schließt bereits gekonnt den Kreis vom Getreide über Kühe bis hin zum Biogas. Das Getreide, das zum großen Teil als Futtermittel dient, wird biologisch angebaut. Die Kühe leben in einem geräumigen Stall samt ausreichend Freiland, gehen selbst zur Melkmaschine und leisten mit ihren Ausscheidungen einen entscheidenden Beitrag für die Herstellung des Biogases. Aus Kuhdung, biologischen Abfällen sowie eigens gezüchteten Algen wird in einer Fermentier-Anlage Biogas.

Die dabei entstehenden Abfälle werden als Dünger wieder am Feld ausgebracht, das bei der Fermentierung frei werdende Kohlendioxid an die rasch wachsenden Algen verfüttert. Dadurch wird nicht nur das CO2, sondern werden auch die wertvollen Mineralstoffe, die das Getreide aus dem Boden gezogen hat, wieder in den Zyklus rückgeführt. Allein, diese Erzeugung rentiert sich im Moment noch nicht, und die Forscher suchen noch nach dem kleinen Rädchen, an dem sie für den großen Durchbruch drehen müssen. (Guido Gluschitsch, DER STANDARD, 12.7.2014)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Skoda bringt mit dem Octavia G-Tec den ersten bivalenten CNG im A-Segment, der eine Reichweite von über 1300 Kilometer hat.
    foto: skoda

    Skoda bringt mit dem Octavia G-Tec den ersten bivalenten CNG im A-Segment, der eine Reichweite von über 1300 Kilometer hat.

  • 15 kg CNG, Compressed Natural Gas, fassen die Tanks im Octavia G-Tec. Damit kommt er emissionsarm und sparsam rund 400 km weit. Dafür schrumpft aber der Kofferraum und der Platz fürs Reserverad fällt weg.
    foto: skoda

    15 kg CNG, Compressed Natural Gas, fassen die Tanks im Octavia G-Tec. Damit kommt er emissionsarm und sparsam rund 400 km weit. Dafür schrumpft aber der Kofferraum und der Platz fürs Reserverad fällt weg.

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