Stundenkürzungen an Wiener Volksschulen

8. Juli 2014, 10:18
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Wegen Gratisnachhilfe werden 1,5 Wochenstunden gestrichen - Bildungssprecher von SPÖ und ÖVP verlangen Nachbesserungen

Die Stadt Wien streicht 1,5 Wochenstunden an den Volksschulen. Betroffen sind Zusatzstunden in Englisch oder Italienisch, Bewegtes Lernen und Begabtenprojekte. Der Koalitionspartner, die Grünen, sind mit den Kürzungen allerdings unzufrieden. "Nein, es passt uns nicht, wie es jetzt läuft. Selbstverständlich muss man versuchen nachzubessern", sagt der Grünen-Klubchef David Ellensohn im Ö1-"Morgenjournal" am Dienstag.

Schuld an den Kürzungen ist für Ellensohn aber der Bund. Die Stadt Wien bekomme über den Finanzausgleich angesichts der steigenden Schülerzahlen zu wenig Geld. Während die Zusatzstunden an den Volksschulen gestrichen werden, investiert die Stadt Wien allerdings ab Herbst 2014 bis zu 20 Millionen Euro für Gratisnachhilfe an Volksschulen.

SPÖ-Bildungssprecherin: "Würde mir Nachjustieren wünschen"

SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann kritisiert das Vorgehen der Wiener Parteikollegen auf Ö1 nur vorsichtig: "Beides ist wichtig, die Fördermaßnahmen und natürlich auch die Nachhilfe, um jenen, die sich schwer tun, unter die Arme zu greifen. Ich würde mir natürlich schon wünschen, dass die Stadt Wien hier noch einiges nachjustiert." Die ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank ist in ihrer Kritik klarer. "Das ist komplett inakzeptabel", sagt sie zu den Kürzungen bei den Zusatzstunden.

Das Angebot an einer Schule lebe von der Vielfalt und davon, dass Begabungen gefördert werden könne. "Auf der einen Seite etwas unterstützen, wo es auch etwas braucht, und auf der anderen Seite etwas wegzunehmen, das ist Loch-auf-Loch-zu-Politik", sagt Jank.

Vom Wiener Stadtschulrat heißt es zu derStandard.at, dass die Gratisnachhilfe und die Kürzungen der Zusatzstunden zwei völlig unterschiedliche Themen seien. "Wir können das Geld, dass wir für die Nachhilfe verwenden, nicht in die Schulen investieren, weil das Bundessache ist." Die Nachhilfe würde aus einem völlig anderen Topf finanziert. (red, derStandard.at, 8.7.2014)

  • Was die einen bekommen, wird den anderen weggenommen: angewandte Mathematik bei den Wiener Volksschulen.
    foto: dpa

    Was die einen bekommen, wird den anderen weggenommen: angewandte Mathematik bei den Wiener Volksschulen.

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