Illegale Ticketverkäufe: FIFA-Partner festgenommen

8. Juli 2014, 14:58
97 Postings

FIFA-Vetriebspartner Ray Whelan soll illegal WM-Tickets verkauft haben - Nach Verhör wieder auf freien Fuß gesetzt  

Rio de Janeiro - Je weiter die Ermittler in den Ticketskandal vorstoßen, desto undurchdringlicher wird das Dickicht von Verflechtungen und desto offensichtlicher werden enge, bisweilen familiäre Bande zwischen beteiligten Unternehmen sowie dem Fußball-Weltverband Fifa.

"Ray ist nicht der Chef", sagte Kommissar Fabio Barucke, der die "Operation Jules Rimet" gegen die Ticketmafia bei der WM leitet. Ray ist Raymond Whelan, Topmanager bei der Match Services AG, der am Montag in seinem Luxus-Hotel an der Prachtstraße Avenida Atlantica in Rio de Janeiro von Beamten abgeführt wurde.

Der 64-jährige Engländer steht im Verdacht, WM-Tickets aus speziellen Kontingenten entgegen vertraglicher Regelungen zu überhöhten Preisen verkauft zu haben. In seinem Zimmer im Hotel Copacabana Palace beschlagnahmte die Polizei 82 WM-Tickets. Am Dienstag wurde Whelan, dem zur Anhörung auf der Polizeistation zwei Anwälte zur Hilfe geeilt waren, nach zwölfstündiger Untersuchungshaft wieder freigelassen. Sein Unternehmen Match beteuerte in einer Stellungnahme seine Unschuld.

Die Spur zu Whelan wurde von Mohamadou Lamine Fofana gelegt: Der Franko-Algerier war mit zehn weiteren Verdächtigen vergangene Woche festgenommen worden. Fofana war im Besitz von 131 WM-Tickets - davon 70 Karten im hochpreisigen Hospitality-Segment. Mehr als 900 Mal hat Fofana laut Barucke in den vergangenen Wochen einen gewissen "Ray Brasil" aus seinen Handy-Kontakten angerufen. Telefonate wurden abgehört, es wurde um Tickets gefeilscht. "Wir setzen die Suche nach anderen am Betrugs-Coup Beteiligten fort", sagte Barucke. Auf der Liste stünden sieben weitere Verdächtige. Trotz der Verdachtsmomente gegen Whelan erklärte das Unternehmen Match, dass der Brite samt seinem Mitarbeiterstab die Arbeit bei der WM wieder aufnehmen werde.

Die Match Services AG ist zwar keine Tochterfirma der Fifa, in Sachen WM-Kartenverkauf aber exklusiver Dienstleister des Weltverbandes. Das Unternehmen Match Hospitality, ebenfalls alleiniger Fifa-Partner in diesem Bereich, bietet für betuchte Kunden und Sponsoren das exquisite Drumherum im Komfortpaket an. Mehrheitseigentümer von beiden Firmen sind die Brüder Jaime and Enrique Byrom. Anteilseigner an Match Hospitality ist aber auch die Infront Sports & Media, die für die Vermarktung von WM-Fernsehrechten der Fifa und als Host Broadcaster für die Produktion des TV-Signals aus Brasilien verantwortlich ist. Geschäftsführer des Konzerns ist Philippe Blatter, ein Neffe von Fifa-Chef Joseph S. Blatter. Die Fifa dürfte die Partnerschaft mit Match Hospitality schätzen. Der Vertrag wurde kürzlich für die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 verlängert.

17.000 Euro für ein Ticket

Der mutmaßlich illegale Handel mit WM-Tickets ist lukrativ: Der weiter in Haft befindliche Fofana soll in der Vorrunde laut der TV-Sendung "Fantástico" auf Globo TV 112 Karten für rund 303.000 Euro umgesetzt haben. Alleine für das Finale besaß Fofana 25 VIP-Karten - Einzelpreis 17.000 Euro.

Whelan, gegen den wegen Verstoßes gegen das brasilianische Verbraucherschutzgesetz für Fußballfans (Artikel 41-G des Estatuto do Torcedor) ermittelt wird, droht eine Haftstrafe von zwei bis vier Jahren. Zwei Kinder von Whelan arbeiten übrigens ebenfalls im Firmenkonstrukt von Match mit.

Kunden, die über Fofanas Agentur Atlanta Sportif Finalkarten bezogen haben, droht ein böses Erwachen. Die Tickets wurden laut Match Hospitality gesperrt. Auch Vorwürfe gegen die Sublizenznehmer Reliance Industries Limited sowie Jet Set Sports und Pamodzi Sports bezüglich illegalen Weiterverkaufs von WM-Tickets werden geprüft. (krud, sid - DER STANDARD, 9.9. 2014)

  • Ray Whelan (links) bei seiner Festnahme in Rio de Janeiro.
    foto: epa/ramires ferreira

    Ray Whelan (links) bei seiner Festnahme in Rio de Janeiro.

Share if you care.