Fährtenlese im Info-Dschungel

11. Juli 2014, 14:34
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Automobil, Motorrad, Roller, Velo, E-Bike oder doch per pedes? Eine bibliophile Mobilitätsstudie 2.0.14

Es gibt gewisse Bereiche unseres alltäglichen Lebens, in denen es schier unendlich viele Experten zu geben scheint. Da sind einmal zig Millionen strategieerprobte und (zumindest vom Krügerlstemmen) durchtrainierte Fußballteamchefs zu nennen, gefolgt von abertausenden feinfühligen humanen Wetterfröschen. Bezüglich Politik hat der Großteil ohnehin die Weisheit mit dem Löffel gegessen und last, but not least, Fachwissen betreffend des Automobilwesens dürften männliche Wesen der Spezies Homo sapiens ohnehin mit der Muttermilch aufgesogen haben.

Natürlich auch was deren Alternativen betrifft. Dürften, wohlgemerkt. Denn realiter befindet sich der aktuelle Wissensstand der selbsternannten Mobilitätsexperten eher im Bereich des Konjunktivs. Was jetzt auch nicht weiter verwunderlich ist, bedenkt man Fülle und Inhalt an Informationen und Publikationen zum Thema. Vieles ist zudem heiße Luft. Eine erlesene Auswahl, um sich in besagtem Info-Dschungel doch zurechtzufinden, sei hiermit aber genannt.

Autos und Velosophie

Grundsätzliches über das Fahrrad erfährt man im opulent illustrierten Bike Book (€ 49,90 / Verlag teNeues). Weiterführendes zum Thema der Angewandten Velosophie enthält das E-Bike-Book (€ 49,90 / Verlag  teNeues). Was heute bei Autos zählt, sind niedrige Emissionswerte, Umweltverträglichkeit und Sparsamkeit. Mit herkömmlichen Kraftstoffen wie Benzin oder Diesel sieht die automobile Ökobilanz schlecht aus. Anders dagegen bei Autos mit sauberer Antriebstechnik. Umweltfreundliche Konzepte der Motorisierung wie Elektro, Gas, Hybrid oder auch Bioethanol sind in Zeiten des Klimawandels das Gebot der Stunde. Christof Vieweg hat in dem Bändchen E-Autos (€ 20,- / Delius-Klasing-Verlag) sämtliche aktuelle Elektro- und Hybridmodelle inklusive Technik, Kaufberatung, Kosten- und Umweltcheck  zusammengefasst.

Dem zunehmend interessanten Bereich elektrisch betriebener Fahrräder hat sich das zweimal im Jahr publizierte e-bike. Das Pedelec-Magazin (€ 5,60) verschrieben. Mit Praxistests und Überprüfung von Lifestyle, Funktion und Design.

Grüne Lügen

Den Hype um den Paradigmenwechsel kritisch hinterfragt hingegen Friedrich Schmidt-Bleek in seiner Provokation Grüne Lügen. Er meint, dass Politik und Wirtschaft Arm in Arm mit "sogenannter Umweltpolitik" Sand in die Augen der Konsumenten streuen, während dringende Reformen auf der Strecke bleiben. Er konzediert, dass man umkehren müsse, meint aber, dass man bewusst in die Irre geleitet wird.

Als Pionier der Umweltforschung mahnt er, dass durch Umweltschutzmaßnahmen zwar der Schadstoffausstoß reduziert, aber der Bedarf an Ressourcen erhöht wird: "Wir verbrauchen mehr Wasser, seltene Erden und andere Rohstoffe. Um an diese zu gelangen, zerstören, verschmutzen wir immer schneller immer mehr Land und befördern dadurch den Klimawandel, den wir eigentlich bremsen wollen. Es ist schon lange höchste Zeit, einen neuen Weg zu beschreiten!"

Alternative zu Fußgehen

Wie auch immer. Man muss es ja nicht der Politik gleichtun, in billigem Populismus Kinderlachen gegen Blechlawinen ausspielen, oder in Form des bevormundenden p.c.-Meinungsterrorismus den gesamten öffentlichen urbanen Raum zu Begegnerinnenzonen umfunktionieren. Augenmaß wäre angebracht.

Ob man sich nun entschließt, im Sinne der Reduktion der Klimaerwärmung, der Reduktion der Treibstoffgase, der CO2-Emissionen, weiterhin Auspuffgase zu produzieren, sich modernen Techniken anvertraut, oder sich olfaktorischen Belästigungen (gerade jetzt im Sommer) in den Öffis auszusetzen, oder zu überdenken, wer wann wohin wirklich mit dem Auto muss oder nicht, sei Herrn und Frau Jedermann überlassen. Eine kostengünstige, umweltschonende, gesunde und noch dazu fitnessfördernde Variante wäre es, wie der Rezensent, möglichst viele Wege zu Fuß zu bestreiten. (Gregor Auenhammer, DER STANDARD, 12.7.2014)

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